Die Geschichte der Tour de France
Die Zeit vor dem ersten Weltkrieg
Im Jahre 1903 wurde die erste Tour de France gestartet. Henri Desgrange und die französische Zeitung L'Auto waren
sozusagen die "Gründungsväter" der später größten Radrundfahrt der Welt. Die erste Ausgabe der Tour de France führte über 6 Etappen
über 2428 Kilometer, die längste Etappe von Paris nach Lyon war 467 Kilometer lang. Maurice Garin, der Gewinner dieser Etappe benötigte dafür 17
Stunden, 45 Minuten und 13 Sekunden! Für heutige Verhältnisse unvorstellbar. 60 Fahrer nahmen teil und erster Gesamtsieger wurde dann auch der
Franzose Maurice Garin. Genau so unglaublich groß war sein Vorsprung auf den zweitplazierten Lucien Portier: Sage und Schreibe über 2 Stunden und 49
Minuten - bis heute unerreicht. Für die 2428 Kilometer benötigte Garin 94:33:14 Stunden, was einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 25,7 km/h entsprach.
Dies war der Grundstein zur weiteren Entwicklung der Tour de France - bis zur größten Radrundfahrt der Welt. Die
Gesamtstrecke wurde länger, Etappen kamen hinzu, der sportliche Reiz steigerte sich mit den Jahren weiter.
1910 brach eine neue Zeitrechnung für die Tour an: Zum ersten Male mussten die Fahrer sich über die Gipfel der
Pyrenäen quälen, auf teilweise unbefestigten Schotterstraßen. Mit diesen Bergetappen kamen auch die Zeiten der Kletterspezialisten. Zahlreiche
Legenden wurden damals und heute in den Bergen geschaffen. Die Bergetappen sind auch bis heute die Hauptattraktion der Tour de France, weil hier so
gut wie immer die Entscheidung um den Gesamtsieg bei der Tour fällt.
Die Zeit zwischen erstem und zweiten Weltkrieg
Die aufstrebende Radrundfahrt wurde während dem 1. Weltkrieg nicht ausgetragen. Der Faszination dieses Rennens tat
dies aber keinen Abbruch. Zwischen 1914 und Jahr 1919 pausierte die Tour und kam nach dem Krieg dann wieder mit einigen Neuerungen zurück, unter anderem wurde in diesem
Jahr das legendäre Gelbe Trikot erstmals verliehen (siehe Trikots und Wertungen).
Der Herausragende Fahrer dieser Zeit war der Belgier Philipe Thys, der die Tour als erster Fahrer drei Mal gewinnen konnte (1913, 1914, 1920).
Bis zum zweiten Weltkrieg erlebte die Tour de France noch viele Neuerungen: Die Anzahl der Etappen erreichte im Jahr
1927 die Höchstzahl von 24 Etappen. Die längste Tour de France der Geschichte fand ein Jahr vorher, im Jahr 1926 statt: 5795 Kilometer waren in 17
Etappen zu bewältigen. Sieger dieser "Mammut-Tour" wurde Lucien Buysse aus Belgien. In diesem Jahr startete die Tour auch erstmals nicht in
Paris, sondern in Evian-les-Bains am Genfer See. Auch revolutionär waren die Einführung von Mannschafts- und Einzelzeitfahren. Der beste Bergfahrer
wurde ab 1934 mit einer Trophäe geehrt. Im Jahre 1930 gab es auch eine Änderung bei den Mannschaften. Die Sponsor-Teams wurden durch Nationalteams
ersetzt. Und - nicht zu vergessen der technische Fortschritt. In dieser Zeit wurden die ersten Rennräder mit Gangschaltung entwickelt!
Die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg
Die Tour de France machte während des zweiten Weltkriegs von 1940 bis 1946 Pause. Im Jahr 1947 startete die Tour
dann wieder. Und mit beginn der 50er Jahre dominierte ein Italiener namens Fausto Coppi aufgrund seiner überragenden Bergfähigkeiten die Tour
de France im Jahr 1952. In den drei folgenden Jahren war es dann Louison Bobet, der die Tour de France als erster dreimal in Folge gewinnen konnte. Auch
erwähnenswert sind die beiden Toursiege des "Radelnden Mönches" Gino Bartali (Bild rechts). Er gewann die Tour in den Jahren 1938 und 1948. Kein
Fahrer sonst schaffte es, Tour-Siege in einem solch großen Abstand (10 Jahre) zu erringen! Eine Neuerung gab es in den 50ern auch noch: Das Grüne Trikot und die Punktewertung wurden eingeführt. Erster Gesamtsieger in der Punktewertung war
1953 der Schweizer Fritz Schär. 1954 wurde die Tour erstmals außerhalb Frankreichs im Niederländischen Amsterdam gestartet.
Mit den 60er Jahren kam die Zeit des Jaques Anquetil. Insgesamt kam Anquetil auf fünf Toursiege. Als erster Fahrer
gewann er außerdem die Tour viermal nacheinander. Bei der Tour de France 1964 fand die bis zu diesem Zeitpunkt knappste Entscheidung der Geschichte
statt: Nur 55 Sekunden Vorsprung hatte Anquetil auf seinen ewigen Rivalen Raymond Poulidor, mit dem er sich am Puy de Dóme im Zentralmassiv vier Tage
vor Schluss das berühmte "Ellenbogen-Duell" geliefert hatte (siehe
Bild; links Anquetil, rechts Poulidour). Auch erwähnen muss man die sechs Bergtrophäen von Frederico Bahamontes, die er zwischen 1954 und 1964 gewinnen
konnte. Nur Lucien van Impe aus Belgien gewann die Bergwertung genau so oft (zwischen 1971 u. 1983)! Im Jahr 1962 wurden anstatt der Nationalteams wieder
Markenteams eingeführt. Erster deutscher Etappenort war im Jahr 1964 Freiburg im Breisgau. Ein Jahr später startete die Tour in Köln - und somit erstmals
in Deutschland.

Dann kam die Zeit des "Kanibalen" Eddy Merckx aus
Belgien (linkes Bild). Wenn Merckx irgendwo an den Start ging, wollte
er auch gewinnen. Und "fraß" seine Gegner bei seinen Attacken regelrecht auf. Er war der zweite Fahrer, der die Tour fünfmal gewinnen
konnte. Und im Jahr 1969 schaffte er es als einziger Fahrer bisher, die Gesamt-, Berg- und Punktewertung in einem Jahr alle zu gewinnen. 1975 wurde
dann die Bergtrophäe abgeschafft und das rot gepunktete Trikot eingeführt; Außerdem endet die Tour seit diesem Jahr immer auf der Champs-Elysées
Mitten im Herzen von Paris. Dann folgten die Jahre des Franzosen Bernard Hinault
(rechtes Bild). Im alter von 23 Jahren gewann er die Tour zum ersten Male, sieben
Jahre später stellte er die Rekorde von Anquetil und Merckx ein und gewann die Tour ebenfalls fünf mal. Im Jahr 1987 gab es noch einen Rekord: Die
Tour - die in diesem Jahr in West-Berlin gestartet wurde - verlief über 25 Etappen!
Ende der 80er Jahre gewann erstmals ein Nicht-Europäer die Frankreich-Rundfahrt. Greg Lemond aus den Vereinigten
Staaten von Amerika siegte im Jahr 1986 und holte 1989 und 1990 noch zwei Gesamtsiege. Die Tour 1989 war die spannendste der Geschichte: Vor der
letzten Etappe lag der Franzose Laurent Fignon 50 Sekunden in der Gesamtwertung vor Greg Lemond. Dann kam das alles entscheidende Einzelzeitfahren
über 28,5 Kilometer auf der Champs-Elysées: Fignon verlor aber doch noch 58 Sekunden in diesem Zeitfahren auf Lemond - und verlor dann doch noch auf
der allerletzten Etappe das gelbe Trikot. Lemond siegte mit dem Rekord-Vorsprung von gerade einmal 8 Sekunden - knappste Entscheidung der
Tour-Geschichte.

In der ersten Hälfte der 90er Jahre dominierte nur ein Fahrer: Miguel Indurain aus
Spanien (linkes Bild). Er war auch der erste,
der die Tour fünfmal in Folge gewinnen konnte. Den größten deutschen Triumph feierte Jan Ullrich
(rechtes Bild) im Jahr 1997. Als erster deutscher überhaupt
gewann er die Tour de France. Grundstein zu seinem Sieg war der sensationelle und überraschende Ritt zur Skistation Arcalis in Andorra. In den Jahren 1996, 1998, 2000, 2001 und 2003 holte er fünf mal den Vizetitel.
Dass
Jan Ullrich so häufig "nur" Zweiter werden konnte, hatte einen Grund:
Lance Armstrong (Bild rechts). Der Texaner, der mit Hodenkrebs wenige Jahre zuvor eigentlich dem
Tode geweiht war, feierte nach der Besiegung seiner Krankheit eine Wiederauferstehung.
Seine ersten vier Gesamtsiege zwischen 1999 und 2002 fuhr er absolut ungefährdet ein. Andere Fahrer konnten nie richtig in dass
Duell eingreifen, Armstrong und Ullrich machten den Tour-Sieg alleine unter sich aus. Im Jahr 2003 wurde es bereits sehr knapp für Lance Armstrong. Er und Jan Ullrich lieferten sich das spannendste Duell seit Jahren; am Ende hatte er gerade einmal
1:01 Minuten Vorsprung auf Ullrich. Dieser wartete fair, als Lance Armstrong bei der Etappe nach Luz Ardiden stürzte. Als Armstrong zurückkam und dann attackierte, konnte Jan nicht mehr folgen. Hier machte Lance seinen 5. Toursieg klar. 2004 kann
Lance mit seinem 6. Sieg in Folge unsterblich werden - wenn Jan dies nicht zu verhindern weiß.
Alle Tour-Direktoren
1903 - 1936 Henri Desgrange
1936 - 1985 Jacques Goddet
1961 - 1986 Félix Leviatan
1987 Jean-François Naquet-Radiguet
1988 Xavier Louy
1989 - ???? Jean-Marie Leblanc - wollte eigentlich 2003 aufhören,
macht aber weiter.
Streiks bei der Tour de France
| 1905 - Fan-Protest |
Wegen der Disqualifikation von Maurice Garin im Vorjahr waren
die Fans so wütend, dass sie Nägel und andere Gegenstände auf die Straßen
warfen! |
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1966 - Fahrer gg. Dopingtests
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Die ersten Dopingtests wurden von den Fahrern gleich mit einem
Streik begrüßt. Sie fühlten sich in ihrer Freiheit als Profis eingeschränkt. |
| 1968 - Journalisten gg. Lévitan |
Als der Tour-Direktor Lévitan Journalisten angriff, weil
diese negativ über die Tour berichteten, blockierten diese die Straßen und
liesen nur die Rennfahrer durchfahren. Die Autokolonne musste anhalten. |
| 1982 - Arbeiter-Protest |
Die Arbeiter einer Stahlfabrik in Denain hatten
Angst ihre Jobs zu verlieren. Sie benutzten die Tour als Bühne für ihren
Protest und das geplante Mannschaftszeitfahren musste ausfallen. |
| 1987 - Photographen-Streik |
Wegen ihrer eingeschränkten Arbeitsbedingungen; z. B. durften
diese nicht Nahe an die Fahrer herankommen. Als Konsequenz daraus nahmen alle
Photographen einen ganzen Tag lang nicht ein einziges Bild auf. |
| 1998 - Doping-Skandal |
1998 war das bisher schwerste Jahr, dass die
Tour überstehen musste: Es kam zu einem Dopingmittelfund beim Team Festina
mit Richard Virenque schon vor Beginn der Tour. Nach 6 Etappen entschied die
Tour-Organisation, das Team auszuschließen. Danach untersuchten
Dopingfahnder der französischen Polizei die Fahrer und Teams. Dies waren zum
Teil so unmenschliche Verhältnisse, denen die Fahrer ausgesetzt waren, dass
diese mehrmals streikten. Der Gipfel dieser Streiks war die Neutralisation der
17. Etappe von Albertville nach Aix-les-Bains. Sieger dieser Skandaltour wurde
Marco Pantani aus Italien. |
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Todesfälle
| 1910 - Adolphe Heliére |
An einem Ruhetag ging Adolphe Heliére tauchen - und ertrank. |
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1935 - Francesco Cepada
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Bei einem Sturz brach er sich den Schädel. Drei Tage nach dem
Unfall erlag er seiner schweren Verletzung. |
| 1967 - Tom Simpson |
Zum Anstieg des Mont Ventoux in der Provence fiel Tom Simpson
regelrecht vom Rad. Er schaffte es zwar, kurz weiterzufahren, brach dann aber
völlig zusammen. Die Ärzte versuchten ihn noch zu retten, doch er starb im
Krankenhaus einige Stunden später. Gründe waren wahrscheinlich die
übermäßige Einnahme von Amphetaminen und Alkohol. |
| 1995 - Fabio Casartelli |
Fabio Casartelli stürzte bei der Abfahrt des
Pyrenäen-Passes Portet-d'Aspet und schlug sich den Kopf an einem Stein an. Im
Krankenhaus verstarb er an seinen schweren Kopfverletzungen! |
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letzte Bearbeitung: 24.08.2005
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