Coronoia: Volker überhört die Signale

Marc-Uwe Kling hält ja wenigstens die Klappe. Genauso wie Georg Schramm. So darf man zumindest noch hoffen, dass zwei meiner polit-kabarettistischen Idole nicht auch zu den Zeugen Coronas übergelaufen sind. Als ich vor einigen Wochen Uli Gellermanns Artikel über „Das Testament von Volker Pispers“ las, war ich – vermutlich wegen der allgemeinen Hoffnungs- und Ausweglosigkeit – noch nicht einmal mehr besonders enttäuscht. Höchstens die Qualität, mit der Pispers auf seiner Internetseite sehr vielen derer regelrecht ins Gesicht pisste, die seine gesellschaftskritischen Programme und Auftritte selbst heute noch teilweise in- und auswendig können – die schmerzte dann doch. Weil sie einfach nicht einmal annähernd dem Niveau entsprach, welches man von Pispers über Jahrzehnte gewohnt war.

Das war platt. Dumm. Beleidigend. Man musste, teils schon peinlich berührt, unfrei von Fremdscham, lesen, wie ein ehemals zu den Größen des deutschen Polit-Kabaretts Zählender seine jahrzehntelange Arbeit, sein Erbe, sein Vermächtnis mit ein paar tumben Zeilen mit dem Arsch selber einreißt. Ich verfolge Pispers seit rund 20 Jahren. Als Jugendlicher und junger Erwachsener wurde ich überwiegend von ihm, Urban Priol, Georg Schramm, Bruno Jonas und Dieter Hildebrandt politisiert. Sie haben mir über Jahre geholfen, den allgemeinen politischen, vor allem neoliberalen, transatlantisch-imperialistischen Wahnsinn ertragen zu können. „Vor Corona“ war ja bekanntlich die Welt auch schon ein stinkender Scheißhaufen.

Ein Volk, das mit alkoholfreiem Bier so prima zurechtkommt, wird irgendwann auch mit sauerstofffreier Luft klarkommen.

Gerade Pispers Programme (eigentlich hatte er ja mit „Bis neulich“ nur eines, welches er immer wieder an die aktuelle bundes- und weltpolitische Lage anpasste) enthielten immer wieder auch historische Bezüge; er spielte ständig auf die unzähligen historischen Verbrechen vor allem der us-amerikanischen Regierungen und Geheimdienste an. Wie sie bspw. nicht nur über die Chicago Boys daran mitwirkten, am 11. September 1973 durch den von den USA unterstützten Militärputsch Augusto Pinochets die chilenische Demokratie zu beerdigen.

Ich mein‘, wer wird den Tag jemals vergessen, der 11. September, was für ein Datum? Ein schöner Dienstag war das, der 11. September 1973.

Salvador Allende, der demokratisch gewählte Präsident Chiles, wurde vom amerikanischen Geheimdienst aus dem Amt geputscht. 3000 tote chilenische Demokraten — sie erinnern sich doch alle, die Menschenketten bei uns, die Spendenaktionen. Die hatten ja damals alle keine Lebenensversicherung.

Ersetzt wurde Salvador Allende damals durch eine faschistische Militärregierung unter Augusto Pinochet; den kennen sie aber noch!? Ein *ausgewiesener* Menschenrechtsexperte.

Tonkin, Brutkastenlüge, Massenvernichtungswaffen im Irak – alles sprach er an. Die „Arschlöcher im Wandschrank„, die sich die USA noch heute überall in der Welt halten. Er stellte Zusammenhänge her; „sein Antiamerikanismus sei ja auch gar nicht oberflächlich.“

Der Saddam hat gesagt: „Wir haben keine Massenvernichtungswaffen!“ Da haben die Amis gesagt: „Schauen wir mal in die Lieferscheine!“ Betrachten Sie den Irak-Feldzug als eine Art »Welt-Frühjahrsputz«!

Auch an der bundesdeutschen Politik ließ er kein gutes Haar. Die „Sozialreformen“ Schröders nahm er auf eine schonungslose Art und Weise auseinander und verknüpfte die Punkte; zeigte auf, was für ein mafiöses Netzwerk dieses Land im Hintergrund regiert, wie Lobbyisten sich ihre Gesetze selber schreiben. Und wie die Medien pausenlos hetzen und lügen.

Unsere Nachrichtensendungen sind eine komplette Volksverblödungs- und Verarschungsmaschinerie, meine Damen und Herren. Und die läuft hier im Dauerbetrieb, im permanenten Dauerbetrieb.

Auch die völkerrechtswidrige Beteiligung Deutschlands am Jugoslawien-Krieg wurde von ihm immer wieder angesprochen und kritisiert; vor allem der Verrat der Grünen an ihren Idealen.

Die Grünen haben deutsche Soldaten weiter in die Welt geschickt, als ihre Väter je kamen!

Auch die grottige Politik der Merkel-Regierungen übergoss er mit fundiertem Hohn und Spott. Und dann erst die „Bankenkrise“; ein Fest für einen begnadeten, die volkswirtschaftlichen Zusammenhänge pointiert erklärenden Polit-Kabarettisten. Der stets auch – selbstironisch? – mit einem „Umsturz“ liebäugelte.

Kabarett ist eine Art moderner Ablasshandel. Das schlechte linke Gewissen aus dem Feuer springt, wenn das Geld in der Kleinkunst-Kasse klingt. Und deshalb sollten Sie Kabarett-Eintritts­karten immer gut aufheben. Wenn dann irgendwann einmal nach dem Zusammenbruch des Kapitalismus, wenn dann jemand zu Ihnen kommt und sagt: Welche Funktion hatten Sie denn in dem System, in dem Ausbeuter­system, wo Leute für einen Euro die Stunde arbeiten mussten, na, was hatten Sie für eine Funktion? Dann sagen Sie: Halt, Moment! Und holen den großen Karton mit den Kabarett-Eintritts­karten heraus und sagen: Hier, ich war im Widerstand! Ich habe laut und offen gelacht, wenn meine Regierung verspottet wurde. Ich habe anhaltend geklatscht, wenn das System kritisiert wurde. […] Ich bin kein Täter, ich bin Opfer. Quelle.

Oder auch seine Kritik am eher unpolitischen, literarischen Kabarett bzw. dessen Publikum:

Aber im Engagement sind alle, denn wer heutzutage nirgendwo im Engagement ist, der kann sich die Gesellschaftskritik in Form einer Kabaretteintrittskarte kaum noch leisten. Zumindest nicht in den Tempeln der Kleinkunst. Da, wo das literarische Kabarett zelebriert wird. Wo man die knallharte Gesellschaftskritik in weichen Polstersesseln auffängt, und das im Halse steckengebliebene Lachen in der Pause mit Champagner runterspült. An solchen Orten läßt man sich die Kritik am eigenen Lebenswandel genauso folgenlos um die Ohren schlagen wie in der Kirche.

Wenn sich also gerade ein roter Faden durch all seine Programme, all seine Auftritte in Kabarett-Sendungen wie dem Scheibenwischer, den Mitternachtsspitzen, der Anstalt und seinen eigenen Formaten auf 3sat zog, dann eben genau jener: Egal, was die Regierungen getrieben haben, es war quasi immer gelogen, immer beabsichtigt und immer zum Schaden der Mehrheit und dem Nutzen einer sehr kleinen Minderheit.

Und dann muss man in seinem „Testament“ (nicht nur) folgenden Absatz lesen:

Über den richtigen Weg in der Pandemie und über die einzelnen Maßnahmen läßt sich selbstverständlich trefflich streiten, aber den Regierenden pauschal zu unterstellen, Ihnen gehe es nur um Repression, ist gelinde gesagt eine Unverschämtheit.

Schade, Volker. Die Zeiten, in denen du die Signale hören konntest, scheinen vorbei zu sein? So ist das halt, im gehobenen Alter. Wenn man satt ist. Versuch es vielleicht mal mit einem Hörgerät? Fährst du – so, wie ich das in einem der zahlreichen Videos von Gunnar Kaiser vernommen hatte – inzwischen wirklich mit dem SUV einkaufen?

Die Erfinder der Endlösung fahren doch keinen Kleinwagen.

Du hattest selber mal über Merkel Folgendes gesagt – was ich vor einer Weile auch zitiert hatte:

Angela Merkel zitiere ich ja am liebsten wörtlich, ich hab noch keine bessere Möglichkeit gefunden diese Frau zu beleidigen.

Das gilt (leider) auch für dich. Wovor hast du Angst, Volker?


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19 Gedanken zu „Coronoia: Volker überhört die Signale“

  1. Es kritisiert sich halt ausnehmend gut, wenn man damit nicht gleichzeitig seinen Ruf, sein Einkommen und ggf. sogar sein Leben aufs Spiel setzt.

    Nicht viele hatten in ihrem Leben die Möglichkeit, sich dieser schwersten aller Prüfungen zu stellen. Und noch weniger haben sie bestanden. Volker Pispers gehört – und da ist er ja bei weitem nicht der einzige – eben auch zu jenen, die laut polternd durchgefallen sind.

    Auch einige meiner Vorbilder haben sich im Rahmen der sogenannten »Covid-19-Pandemie« still und heimlich vom Sockel geschlichen. Ich habe ihnen die Chance einer Diskussion gegeben und sie dann in ihr selbstgewähltes Opportunistentum verabschiedet. Geweint habe ich nicht, das hebe ich mir für das Schicksal derer auf, die wirklich leiden und vorher nicht durch große Töne aufgefallen sind.

  2. So darf man zumindest noch hoffen, dass zwei meiner polit-kabarettistischen Idole nicht auch zu den Zeugen Coronas übergelaufen sind.

    Klappe halten ist aber leider auch eine Form des Mitläufertums.

    1. Natürlich, für ihre Feigheit werden sie – hoffe ich – von ihrem Gewissen ausreichend gequält. Man kann ihnen vielleicht irgendwann vergeben. Pispers hingegen nicht.

      1. Man kann ihnen vielleicht irgendwann vergeben.

        Ich dachte, dem normalen Michel vergibst Du das Mitläufertum bzw. das nicht-in-den-Widerstand-gehen nicht. Warum hier Ausnahmen machen?

        1. Weil sie – im Gegensatz zur großen Masse durchschnittlicher Michels – wenigstens überhaupt mal gegen ein krankes System gekämpft hatten.

          Die Fanta4 (meine erste große Lieblingsband) sind bspw. für immer raus.

          1. Mich haben die vielen Umfaller (auch die, schon weit vor Corona) immer mehr erbost, als der Michel, von dem sowieso nichts anderes zu erwarten ist.
            Gerade eben, weil sie wissentlich, die Sache verraten.
            Und die Fanta’s waren im Übrigen nie auf unserer Seite.
            nur mal so ganz nebenbei bemerkt….

          2. Es geht hier aber gerade nicht um die Umfaller, sondern um die zu-zu-heißen-Themen-die-Klappe-Halter. 😉 Für die nach Dante Alighieri die heißesten Plätze in der Hölle reserviert werden. Zu den Fantas: Nee, seh ich anders; in meiner Jugend waren die schon die maximal vorstellbaren Rebellen. Aber ja, mir fehlt natürlich dein exklusives Insider-Wissen aus der deutschen High Society.

            Wenn du vom Michel generell eh nix besseres erwartest, nützen dir auch ein paar (aufrechte) Prominente (und Normalos) nix.

          3. Es gibt keine oder kaum aufrechte Prominente.
            Ich bekomme von denen nur meine Insider Informationen.
            Daher weiß ich seit jahrzehnten Dinge, die halt sonst eigentlich kaum Jemand weiß.
            Die denken nämlich, das einer der ihren bin…dachte das wäre klar rübergekommen.
            Ich denke, da hast du was falsch verstanden.
            Und, das mit den „Fantas“ ist mit wirklich völlig unverständlich, aber vielleicht ist das auch eine Sache der Generationen…keine Ahnung…..jedenfalls habe ich damals schon gegen die gewettert.
            Ich muss hoffentlich nicht erst nochmal erwähnen, das ich gerade das Showbiz sehr gut kenne… ;-))

          4. Tja, dann teile dein Wissen endlich mit der Nachwelt; bevor es mit dir in der Kiste landet. Schreib doch wenigstens ein Buch, welches erst post mortem veröffentlicht wird?

          5. Das mache ich doch schon die ganze Zeit…möchte ja kaum einer lesen…
            Die Walkampagne oder die Wahrheit über Mutter Theresa, oder die Verklappung von radioaktiven Material in der Nordsee.
            All das, wollte auch schon damals keiner hören, bis es dann irgendwann in der Zeitung stand.
            Mit dem Buch bin ich schon lange am Arbeiten, aber bis dahin ist wohl eh alle zu spät …denk ich mal

          6. Naja, wo denn? Als Kommentar in irgendwelchen kleinen Blogs? Merkste selber? Dann hau mal rein in die Tasten. 😉

    1. Scrollt bitte zu dem eigentlichen Beitrag nach oben.


      Anm. DS: Auch Verlinken will gelernt sein. Ich hab’s mal korrigiert. 😉

  3. Danke für diesen Artikel. Ähnliches wollte ich unlängst auch schon an Volkers Homepage schicken.
    Ist dies bei diesem Artikel geschehen? Er soll es ruhig lesen!

    1. Nix zu danken. Ich wage mal die Prophezeiung, dass ihn dieses Geschwurbel genauso wenig interessieren wird, wie der vergebliche Versuch von Uli Gellermann, ihn zu seinem „Testament“ zu befragen. 😉

  4. Danke für den Artikel.

    Man darf sich da nicht grämen, er wird halt auch alt. Man darf das Alter als verändernden Faktor nicht unterschätzen. Manche Menschen werden scharfsinniger und furchtloser, andere stumpfer und ängstlicher. Er hat sein Hoch gehabt und vielen die Augen geöffnet. Es wird Zeit, dass wir ihm das zurückgeben.

    So dystopisch das alles scheint, wir haben hier eine riesige Chance.

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