Coronoia: Rauchverbot

Einige werden sich vielleicht noch an „die gute, alte Zeit“ erinnern. Als bspw. um das „Rauchverbot“ in Kneipen und Restaurants sowie in anderen öffentlichen Gebäuden debattiert, gestritten und jenes am Ende dann – gegen teils erheblichen Widerstand vieler Gruppierungen, Verbände und Medien – erlassen wurde. Dabei ging es primär gar nicht um das Verbot des Rauchens, sondern den Schutz von Nichtrauchern. Die BZgA schreibt auf ihrer Seite „rauchfrei„:

121.000 Menschen sterben in Deutschland jedes Jahr vorzeitig an den Folgen des Rauchens. An jedem Tag sind das über 300 Menschen, so viele wie in ein großes Flugzeug passen. Eine Tragödie scheint das für die Öffentlichkeit jedoch nicht zu sein.

Man müsste vielleicht nur damit anfangen, jeden Abend in der Tagesschau die täglichen Todesfallzahlen mit positivem Nikotintest zu nennen?

Es geht mir in diesem Beitrag gar nicht so sehr um die Frage des Rauchens an sich. Auch, weil man solche Zahlen wie die der BZgA durchaus im Detail hinterfragen kann. Letzten Endes verblüfft mich jedoch, wie intensiv damals auch Teile der neoliberalen Medien noch für die „Freiheit“ an sich, also auch von Menschen kämpften, sich und andere durch ihren „Nikotingenuss“ selbst schädigen oder gefährden zu dürfen. Während heute jeder Mensch sogar soweit entwürdigt wurde, nur noch als wandelnde, mit einem Biohazard-Aufkleber versehene Virenschleuder betrachtet zu werden, deren Atem potenziell todbringend für andere sei. So weit ging man damals noch nicht einmal bei penetranten Kettenrauchern, die einem zur Provokation ihren Rauch auch noch mitten ins Gesicht pusteten.

Ich selbst musste in einem Raucher-Haushalt aufwachsen. Und ich empfand den stinkenden Zigarettenqualm schon immer als Zumutung. Insbesondere die für völlig selbstverständlich gehaltene Rücksichtslosigkeit vieler Raucher, ungefragt andere an ihrem Laster teilhaben zu lassen, hat mich immer wieder fasziniert. Als ich mich mit einigen Leuten, mit denen ich 2005 bis 2006 das Fachabitur gemacht habe, regelmäßig in einem Jugendraum traf, konnte man die Luft förmlich in Scheiben schneiden. Fürchterlich; wenn man aus dem Raum rauskam, hatte man wie ein Aschenbecher gestunken.

Damals setzten sich auch noch einige, einstmals linke und regierungskritische Blogger für die „Freiheit“ all jener ein, alles und jeden überall zuqualmen zu dürfen. Und wer damit ein Problem habe, könne ja einfach zuhause bleiben; er werde damit auch nicht aus dem gesellschaftlichen Leben ausgegrenzt. Er unterläge keinem Zwang. Es sei gar eine fürchterliche Anmaßung des Staates, den Menschen gesundheitliche Unvernunft verbieten zu wollen. Jeder habe das Recht, sich selbst zu schädigen; gar von „Gesundheitsfaschismus“ war die Rede, bald würden dann auch noch der Alkohol (Volksdroge Nr. 1) und ungesunde Fressalien verboten! Ja – festhalten! – es wurde sogar argumentiert, dass man als Raucher ja eh früher sterben und somit die Rentenkasse entlasten würde.

Tja, heute hocken genau diese Leute mit ihrer sich selbst ruiniert habenden, schwarzen Lunge und vergifteten Leber zuhause – und scheißen sich vor Corona die Hosen voll. Und sind voll auf Regierungskurs. Ein Leben lang keinen Sport getrieben, nur ungesund und zu viel gefressen und gesoffen, sich die Gesundheit, insbesondere die Atemwege mit zigtausenden Zigaretten konsequent zerstört – und dann, die Konsequenzen fürchtend, den Rest der Gesellschaft in Geiselhaft für die eigene Gesundheit nehmen – und den einstmals verhassten Staat zu noch härteren „Maßnahmen“ auffordern. Ein wahrlich revoluzzerhaftes Verhalten! Genau mein Humor!

Ansonsten kämpften vor allem die milliardenschwere Tabaklobby und auch viele Unternehmerverbände, aber auch Parteien gegen einen halbwegs konsequenten Nichtraucherschutz. Natürlich aus rein wirtschaftlichen Gründen. Damals wurde ein absolutes Schreckensszenario einer sterbenden Gastronomie an die Wand gemalt, wie auch ein zurückblickender Artikel des Deutschlandfunks zum Thema Nichtraucherschutz aus dem Jahr 2018 feststellt. Wenn die Deutschen im Restaurant oder in der Kneipe nicht mehr hätten rauchen dürfen, würden unzählige Gastronomen in die Pleite getrieben und unheimlich viele Arbeitsplätze wegfallen. Es kam natürlich – wie bei nahezu jeder hohlen Drohung von Seiten der Wirtschaft in den letzten 20 Jahren – am Ende eben doch nicht so. Genauso wenig, wie der lächerliche, durch unzählige Ausnahmeregelungen durchlöcherte Pseudo-„Mindestlohn“ einige Jahre später dazu in der Lage gewesen wäre, auch die (meistens von Ehrenamtlichen betriebenen) Hütten des Pfälzerwaldvereins zu „vernichten“.

Damals funktionierten diese etablierten Mechanismen noch. Dass diese mit Corona teils um 180 Grad gedreht worden sind, ist für mich eines der bislang am schwersten zu erklärenden Phänomene. Ganze Branchen und deren Vertreter lassen sich ganz langsam, vollkommen laut- und widerstandslos ausbluten. Dass Großindustrie, Banken und Kapitalgesellschaften mit dem Great Reset keine Probleme haben, ist natürlich verständlich. Warum man jedoch im durch die „Lockdowns“ gezielt ausgerottet werdenden Mittelstand jedoch immer noch nicht die Zeichen der Zeit erkannt hat – ich versteh es nicht. Während man damals wegen des im Vergleich relativ harmlosen Nichtraucherschutzes den Untergang der Gastronomiebranche prophezeite und bekämpfte, akzeptierte man im Jahr 2020 ohne Murren zwei Zwangsschließungen und zwischendurch die absurdesten „Hygienekonzepte“, die in der Summe um Welten geschäftsschädigender waren, als das „Rauchverbot“. Gut, vermutlich wird es auch daran liegen, dass sich einige Gastronomen noch durch gedrucktes Geld sedieren lassen.

Aber wer versteht in diesen Zeiten überhaupt noch irgendetwas? Inzwischen ist die Welt eben so verrückt geworden, dass eben bereits der (rauchfreie) Atem aller Menschen mal ganz nebenbei als lebensgefährlich eingestuft wurde. Heute bist du in den Augen von überzeugten Kettenrauchern bereits ein „Lebensgefährder“, wenn du keine Gesichtswindel trägst.


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12 Gedanken zu „Coronoia: Rauchverbot“

  1. Wahre Worte, wie immer.

    Aber wer versteht in diesen Zeiten überhaupt noch irgendetwas?

    Außer den wenigen, die genau wissen, was Sie tun, meinst Du?
    Ja, das fragt man sich. Aber wenn man nichts versteht: warum ergibt man sich dann dem, was man nicht versteht? Vor allem, wo es einem – wie Du so detailliert ausführst – ja in keinster Weise guttut?
    Da setzt auch mein Verstehen aus. Und wenn mich das nicht alles selber bis aufs engste berühren und betreffen würde, dann würde ich das so aus der Ferne durchaus fasziniert beobachten. Leider wird aber auch meine Welt hier in (mehr oder weniger) Schutt und Asche gelegt, und da kann und möchte ich dann lieber doch nicht zusehen, wie dieses Werk vollendet wird.

    PCR-Testverbot, das wäre was. 🙂
    Das würde Leben retten.

  2. Gerade Raucher sind die geborenen Wendehälse und Heuchler. Die größten Kettenraucher, denen ihre Umwelt scheissegal ist, die keinerlei Rücksicht auf ihre Umgebung nehmen – werden die militantesten Nichtraucher, sofern sie es irgendwann geschafft haben, vom Nikotin loszukommen. Insofern passt das auch beim Corona-Thema: Früher für die Freiheit des Individuums, dann für die Einknastung aller. Und sie sehen darin weder einen Widerspruch, noch irgendeine Form von Doppelmoral.

    1. Oh, Mann Epikur…
      Du schreibst Blödsinn.
      Es ist viel zu kurz gegriffen, alle Raucher über einen Kamm zu scheren.
      Ich könnte ein ganz ähnliches Pamphlet über militante Radfahrer erstellen.
      Gemeinsames Rauchen oder Trinken verbindet die Menschheit, ist sozusagen ein universelles menschliches Bedürfnis, das man nicht einfach so, durch falsche Konditionierung unserer Hygienegesellschaft in die Tonne treten darf.
      Außerdem weiß ich ganz sicher, dass, seitdem in den Kneipen nicht mehr geraucht werden darf, die Umsätze ganz generell gefallen sind.
      Ich kenne jede menge Leute, die seitdem ihre Versammlungen, feste und Partys in private Räume verlegt haben.
      Aber, Feste und Partys mit guter Mucke einen Zischen, mit Freunden Einen durchziehen, hat sich ja nun auf unabsehbare Zeit auch erledigt….

  3. Bin 67, habe 45 Jahre geraucht und zwar mit Wonnen, inklusive unerlaubtes. Und noch was, bin seit 45 Jahren hellwach, war erst zweimal beim Arzt wegen Diagnose, behandle mich zeitlebens homöopathisch, kämpfe seit über 20 Jahren gegen Chemtrails, habe noch nie ein Handy besessen, werde auch nie eines besitzen, wußte schon mit 17, also 1970, daß ich nie Rente kriegen würde, habe mich dementsprechend aufrecht durchs Leben geschlagen, nie Steuern durch Arbeit bezahlt, nie etwas vom Staat verlangt, damit kein Irrtum aufkommt auch nicht reich gewesen. Und jetzt der Clou, Ich ertrage jeden, der raucht, der Fahrrad fährt, oder was auch immer für ein Laster hat. Ich ertrage nur eins nicht, SOLCHE SELBSTHERRLICHEN SCHWÄTZER wie Herrn,Frau oder Divers „epikur“.


    Anm. DS: Komm mal wieder runter, es gibt Wichtigeres derzeit, als wegen so einem Käse einen auf HB-Männchen zu machen. Zu deiner in einem Folgekommentar gestellten Frage: Erstkommentare werden generell moderiert.

    1. Sehe ich genauso, ist nur so, als man vor wie auch immer Jahren auf sowas wie jetzt aumerksam gemacht hat, wurde man von den gleichen Typen mit den gleichen Platitüden behandelt, ich mag sie einfach nicht. Mit dem HB Männchen komm ich klar, spar mir dafür den Psychologen. Übrigens Glückwunsch, ihr macht gute Arbeit unter schwersten Bedingungen, gibt nicht mehr viel mit Rückgrad. Schönen Abend.

  4. Ja, das Thema polarisiert. Und getroffene Hunde bellen. Zugegeben, ich habe stark verallgemeinert. Aber Raucher, die wirklich Rücksicht genommen haben, kann ich in meinen rund 40 Lebensjahren an einer Hand abzählen. Meine Mutter und meine beiden Schwestern haben mich 20 Jahre lang zugequalmt und es war ihnen scheissegal (vielleicht bin ich hier ein gebranntes Kind^^). Jeder kennt wohl solche Geschichten von seinen Mitmenschen. Aber ernsthaft, fragt mal Raucher, die aufgehört haben, wie sie den Zigarettenqualm nun empfinden? 😉

    Dennis ging es jetzt auch nicht um den divide et impera-Kampf „Raucher vs. Nichtraucher“, sondern um die Freiheits-Argumentation und die Doppelmoral von Rauchern.

    @Publicviewer

    Gegen Party und Lebensfreude ist absolut nichts auszusetzen. Nur warum muss Party immer bedeuten, seine Mitmenschen mit krebserregenden Stoffen zu belästigen?

  5. Junger Mann, Irrtümer erkennt man meistens daran, daß mit Hilfe der Untergänge, welche das eigene Milieu betreffen,versucht wird, diese der Allgemeinheit zum Leitbild zu machen. Ich schwöre Ihnen daß ich weder getroffen bin, noch des bellens mächtig. Auch den Sinn des Artikels konnte ich intellektuell verarbeiten. Auf die Krebserregung gehe ich nicht ein, das is a Schmarren.

  6. Lieber Dennis, erstaunlich viele Parallelen – so habe ich das bisher noch nicht gesehen. Es gibt nur einen Unterscheid, der letztlich die Frage aufwirft, was genau ist das Marlboro-Suchtpotenzial im derzeiten Lockdown, der es unmöglich macht, sich von dem Irrsinn zu lösen?

    Ich habe im März bei Feynsinn gepostet, dass mich das Lustvolle sowohl im Gesicht und im Tonfall unserer Politiker misstrauisch machen würde (da wurde diskutiert, ob ein unbekannter Arzt namens Wodarg möglicherweise auch recht haben könnte). Dann erschien dieses Lustvolle aber plötzlich auch in den Gesichtern der von den Maßnahmen hart Betroffenen, unter anderem einer kleinen AG in der ich Aufsichtsrat bin, wo innerhalb kürzester Zeit aus einer blühenden Firma ein Friedhof von wenigen Restmitarbeitern geworden war, aber mir in einer Sitzung Eiseswind ins Gesicht gepfiffen ist, als ich meinte die Zahlen mit: „Mannonmann und das alles wegen nichts!“ kommentieren zu können. Alle waren dafür ihren Beitrag zu leisten „für die Schwächsten in unserer Gesellschaft“ und man sei sich völlig im Klaren, dass das jetzt eine schwere Zeit werden würde, aber dafür hätte es sich gelohnt….

    Zum gegen die Wand rennen und den Kopf einschlagen.

    Wo also liegt das Suchtpotenzial dieser Maßnahmen, dass man sogar als Betroffener so irrational reagiert wie Dennis das oben beschrieben hat? Die Lust? Das Selbstzerstörerische? Das Zustimmen zum eigenen Untergang? Ein norwegischer Familientherapeut hat als sehr alter Mann ein Büchlein über Sucht geschrieben mit dem Tenor: Wir alle sind Süchtlinge, denn wir kommen als vollständig von einem anderen Menschen Abhängige auf die Welt und wir bleiben Abhängige unser Leben lang. Es gelte nicht die Sucht abzuschaffen, das sei ein völlig aussichtsloses Unterfangen und zerstöre die Familien ebenso wie die Sucht selbst. Sondern man müsse die schädliche Sucht durch ein Substitut ersetzen, das weniger hohe soziale Kosten verursacht, denn das sei der Maßstab: Wenn man erkennt, dass die sozialen Kosten höher sind als der Lustgewinn und man trotzdem nicht davon lassen kann, dann ist man ein Süchtiger und reisst alle anderen mit seiner Sucht mit in den Abgrund, vor allem die, die man angeblich liebt.

    So sieht für mich die gesamte Gesellschaft derzeit aus.

    Keiner kann mehr davon lassen obwohl jeder erkennen kann dass es selbstzerstörerisch ist und mehr noch, alleszerstörerisch. In diesem Sinn sind wir alle, die wir versuchen rational, gebildet, gut erzogen, höflich, besonnen dem Untier Sucht durch rationales Argumentieren Herr zu werden dennoch nichts anderes als Co-Abhängige und eine AAA-Gruppe ohne den Süchtigen, der keineswegs zur Einsicht kommen möchte, sondern draußen weiter herumrandaliert, bis auch wir erkennen, dass wir den Stuhlkreis verlassen müssen: Rette sich wer kann.

    Gilt auch für Familien, Ehepartner, Kinder von Süchtigen. Josi

    1. Ich denke, es hat mit der durch den Neoliberalismus aufoktroyierten Lust am Leiden (also dem Masochismus) zu tun, die sich in D wirklich zu einer regelrechten Sucht entwickelt hat. Es geht nur noch darum, mehr (Schlechtes) auszuhalten, als der andere. Wer am meisten Schlechtes ertragen kann, ist dann der „Gewinner“. Was ständige Härte gegen einen selbst psychisch anrichtet, erleben wir gerade besonders deutlich.

      Gepaart mit religiösen Heilsversprechungen, wenn man jetzt „enthaltsam“ lebe oder gar sich, seine Familie oder seinen eigenen Wohlstand opfere, würde man irgendwann in der Zukunft dafür belohnt (Siehe die Xhosa). Wird man nicht. Auch das irrationale Verhalten, einen einmal eingeschlagenen Weg weiterzugehen, auch wenn er sich als falsch oder Sackgasse entpuppt, ist ja leider auch eine unauslöschliche menschliche Eigenart.

      Der Mittelstand hatte ja bereits all die Jahre zuvor auch nicht von den neoliberalen Heilsversprechungen profitiert. Als über Jahrzehnte die Gewinneinkommen explodiert sind und die Massenkaufkraft stagnierte bzw. sank. Und nun werden sie eben völlig vernichtet. Und sie nehmen es einfach hin. Die Lust am Untergang.

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