Am 09.01.21 auf dem Luitpoldturm

Nachdem es gestern den ganzen Tag über leicht geschneit und ich daher einen „Ruhetag“ eingelegt hatte, durfte ich heute nach längerer Zeit endlich mal wieder mit dem MTB durch immerhin teilweise 5 bis 10 cm tiefen Schnee fahren. Da ich mir unbedingt ansehen wollte, wie das „Rodelverbot“ am Hermersbergerhof realisiert wurde, ging es also mal wieder rauf zum Luitpoldturm auf dem 608 Meter über dem Meer gelegenen, seinen Namen derzeit wahrlich verdient habenden Weißenberg. Die Anfahrt erfolgte bis Hinterweidenthal über die Straße, um mich dann anschließend über den „Kuhpfad“, an den drei „Bollen“ vorbei die runden 400 Höhenmeter hinauf auf den tief verschneiten Hauptkamm des Pfälzerwaldes zu kämpfen. Zeichnet sich am Horizont endlich ein Lichtblick ab?

Während der Anfahrt über den Kuhpfad schien gerade ein wenig die Sonne in den verschneiten Wald hinein.

Am Hermersbergerhof war trotz der Sperrung der Forststraße unheimlich viel los. Die Straße war übrigens nur von Süden gesperrt; auf der ebenfalls vereisten Nordseite in Richtung der L 496 bzw. Leimen war sogar relativ viel Verkehr unterwegs.

Viele Familien nutzten den Wintertag für einen Ausflug – mit Schlitten; Klabauterbach hätte sicher Schnappatmung bekommen. Da die Gemeinde Hauenstein ja die Rodelpiste und die Forststraße gesperrt hatte, nutzten viele Rodler die steile Rampe am Dreiherrenstein als gleichwertigen, wenn nicht gar besseren Ersatz. Jedenfalls hatte man den Rodelhang mit Metallzäunen abgesperrt, der erste direkt vorne an der vereisten Forststraße:

Anschließend standen direkt vor dem Eingang noch ein paar Zäune herum. Sicher ist sicher!

Immerhin haben sie sich die Schande, dort auch noch das auf der Internetseite veröffentlichte, lächerliche, ggf. einlaminierte Schild anzubringen, erspart.

Die katastrophalen Seuchen-Zustände auf und im Luitpoldturm haben sich seit meinem letzten Besuch noch nicht gebessert. Es gibt immer noch keine Ampelregelung, eine Maulkorbpflicht wurde auch keine angeordnet. Im Vorraum war auch ziemlich viel los; eine regelrechte Corona-Orgie mit mindestens 10 Menschen! In dem Moment, als ich die Plattform erreichte, bemerkte ich die schöne Lichtstimmung am südlichen Horizont und musste mich sputen, dass ich das kleine Stativ schnell aufgebaut bekomme. Ergänzend noch eine „normale“ Aufnahme vom Turm aus:

Anschließend ging es weiter in Richtung Norden zur L 496, wo ich noch schnell ein Foto vom sonnigen Winterwald und der vereisten Straße machen musste.

Der Rest der Tour war dann ziemlich kalt und grau. Aber es war schön, endlich mal wieder größere „Menschenmassen“ und lachende Gesichter, von großen und kleinen Kindern zu sehen. Wenn da die eine Familie (mit zwei kleinen Töchtern) und zwei einzelne Männer mit über die Nase gezogenen Tüchern (immerhin keine OP-Maulkörbe) nicht gewesen wären, hätte man sich fast in normale Zeiten zurückversetzt gefühlt.

9 Gedanken zu „Am 09.01.21 auf dem Luitpoldturm“

  1. Das erste und das letzte: was für herrliche Winterfotos!

    Aber sag mal, Dennis: haben sie die Straße auf Bild n°3 wirklich nur gesperrt, damit niemand zum Rodeln fährt?! Das ist ja krank.

    1. Man wollte es den Leuten denke ich zumindest etwas schwerer machen. Im vorletzten Winter war die B 48 durchs Wellbachtal gesperrt, weshalb viele über den Hermersbergerhof abgekürzt haben. Dabei kam es an besagter Rampe zu zwei glättebedingten Unfällen.

      Eigentlich müsste die gegenwärtige Forstraße zur Kreisstraße hochgestuft werden. Aber fürs Straßenrecht interessiert sich hier bekanntlich niemand.

  2. Lieber Dennis,

    danke für die wunderschönen Lichtstimmungen! Ich habe direkt aufgeatmet und mich gefreut! Das gibt es auch noch – und wird es weiter geben, selbst wenn wir gerade dazu ansetzen, unser Menschsein endgültig zu zerstören …

    Herzliche Grüße aus Berlin

    Claus

    1. Die Tragik an dieser Art von Fotos liegt auch darin, dass man sie während einer Ausgangssperre oder an die Corona-Leine gekettet, nicht mehr legal anfertigen kann. Ein (um Welten besserer) Foto-Kollege von mir ist fast ausschließlich während der dunklen Tageszeit unterwegs.

      Nicht nur deshalb ist das, was da seit Monaten läuft, eben ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Würde mich nicht wundern, wenn sie heute da oben mal eine Rodel- oder Abstands-Kontrolle durchführen würden.

  3. Das sind wirklich schöne Winterbilder! Als Stadtmensch ist das pure Erholung! Da können sie uns mit ihrem Lockdown-Angst-Porno noch so oft penetrieren, Natur-Ausflüge sind Resilienz-Aufbau.

  4. Schön mal wieder einen Artikel, wenn auch nur zum Teil, übers Radfahren zu lesen. Der Blog war wirklich Einzigartig, gerade in der Region Südwestpfalz. Ich würde mich sehr freuen, wieder mehr Beiträge zum Thema Radfahren und Verkehr der Region zu lesen.

    1. Sehr geehrter Helmfried M.,
      ich kenne Sie nicht, aber ich erlaube mir mal eine Antwort.

      Ich glaube, nichts würde Dennis lieber tun, als wieder ausschließlich übers Radfahren und den Radverkehr in der Südwestpfalz zu schreiben.

      Dummerweise leben und leiden wir seit fast 11 Monaten unter den Maßnahmen, die unsere Regierung(en) wegen eines nicht wirklich gefährlichen Coronaviruses verhängen. Diese werden täglich schlimmer und stündlich abstruser. Wir werden gegängelt; uns wird der Mund und das Demonstrieren verboten; Konten und Arbeitsverhältnisse werden gekündigt; einst hochgeachtete Wissenschaftler oder Ärzte werden diffamiert und mundtot gemacht, weil sie es wagen, eine andere als die offizielle Meinung zu vertreten; unsere Kinder werden tyrannisiert, traumatisiert und für’s Leben geschädigt. Unsere Rechtsgrundlage, das Grundgesetz, wird ignoriert und mit den Füßen getreten; und Markus Söder entblödet sich nicht, Menschen, die dagegen aufbegehren zu unterstellen, sie würden die Demokratie gefährden – genau das, was tatsächlich die Regierungen des Bundes wie der Länder tun: es werden ja sogar Menschen durch die Polizei davon abgehalten, Schlitten zu fahren und sich an der frischen Luft vom Eingesperrtsein zu erholen.

      Und alles was Ihnen einfällt, ist, Dennis zu fragen, ob er den ganzen Kack mal eben ignoriert, weil es doch viel schöner wäre, sorglos durchs Land zu fahren und blaue Schilder zu fotografieren?

      Was tun Sie eigentlich dafür, damit wir eine halbwegs brauchbare Normalität wiedererlangen, in der so etwas möglich ist?

      1. Ich möchte noch ergänzen, dass ich hier runde 3 Jahre über das Thema geschrieben habe, ohne damit auf große Resonanz zu stoßen. Im Gegenteil, die „Szene“ grenzte mich, in Koalition mit den Kfz-besessenen Behörden, gegen die ich kämpfe, wegen meiner Ansichten zum Thema „Radwege“ genauso aus, wie es der Rest der Gesellschaft derzeit wegen Corona tut. Niemand hielt es für nötig, Kommentare zum Thema B 10 zu hinterlassen, Kontakt mit mir aufzunehmen oder mich in irgendeiner, also auch finanzieller Weise zu unterstützen. Mein radverkehrspolitisches Engagement war ein Halbtags-Job, den ich mir eigentlich nicht leisten konnte.

        Tja; nun schreibe ich eben über Corona. Wenn wie im Frühjahr eine durchgeknallte Landrätin eine Ausgangssperre erlässt, ohne klarzustellen, dass Sport ein „triftiger Grund“ ist, wirkt sich das eben auch unmittelbar auf die ursprüngliche Thematik dieses Blogs aus. In Bayern dürfen Rennradfahrer und Mountainbiker bspw. nur noch im 15-km-Umkreis radeln. Und auch hier in RLP wird die Schraube immer enger gedreht. Aber das interessiert viele Menschen ja nicht, solange es sie nicht selbst betrifft. „Augen zu und durch“? Diese Fotos wären jedenfalls in Bayern illegal entstanden.

        Mit Corona wuchs die Reichweite meines Blogs schlagartig an; heute habe ich teils am Tag mehr Besucher, als früher im ganzen Monat. Jedenfalls wird auch der Blog bald verwaist sein, wenn ich wegen der ganzen Corona-Scheiße auf der Straße landen werde. Aber das interessiert sehr viele Menschen nicht. Die halten alles für selbstverständlich. Also bspw. auch, dass irgendwer sich – alleingelassen – verkehrspolitisch engagiert und dafür unheimlich viel Zeit und Nerven aufwendet.

        Und dann erzählen einem alle, wie „solidarisch“ sie doch seien.

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