Radfahrer im „McDrive“ unerwünscht

Es ist schon ein Weilchen her, aber ich kann die durchaus interessante Geschichte ja auch mal hier erwähnen. Das Beitragsbild zeigt das Zweibrücker McDonald’s-Restaurant.

Bis März 2014 fuhr ich hin und wieder auf meinen teils recht langen Radtouren durch den ein oder anderen McDrive der Region (u. a. Zweibrücken, Neustadt, Kaiserslautern, Bad Bergzabern), um den Kohlehydratspeicher meist mit ein paar Pommes und Chicken McNuggets wieder ein wenig aufzufüllen. Meist auch nur, wenn es grade die bekannten „Gutscheine“ gab. Grade Sonntags ist das unterwegs ja oft die einzige halbwegs kostengünstige und schnelle Möglichkeit, etwas warmes zu futtern. Und ich seh da bei entsprechender sportlicher Betätigung auch keine gesundheitlichen Bedenken – grade dann hat man sich diese kleine „Sünde“ auch mal verdient! Also bitte an der Stelle keine distinktive Debatte über die Gesundheitsschädlichkeit von Fastfood! 😛

Meistens sorgte die Durchfahrt des McDrive beim Personal auch für ein Lächeln ob des eher ungewohnten Fahrzeugs. Grade in einer Gegend, in der sowieso so gut wie niemand Rad fährt. Auch in meiner Heimatstadt Pirmasens ging das über viele Jahre reibungslos über die Bühne – ehe mir eines Tages eine Mitarbeiterin beim Abholen der Bestellung mitteilte, dass ich mit dem Rad bitte nicht mehr durch das McDrive fahren solle, da man mich sonst nicht mehr bedienen würde! 😯

Ich war im ersten Moment ziemlich sprachlos, weil ich es mir schlicht nicht vorstellen konnte, dass ein Unternehmer – gar im Rahmen eines globalen Franchises wie McDonald’s – es ohne jede Not riskieren würde, mit dem Vorwurf konfrontiert zu werden, eine bestimmte Gruppe (hier: Radfahrer) zu diskriminieren!

Denn als das empfinde ich es, wenn mir als Führer eines Fahrzeugs im Sinne der StVO ohne Beschilderung oder nähere Begründung die Nutzung eines bestimmten Dienstes verweigert wird! Ich hatte mich deshalb per e-mail an den „Kundenservice“ von McDonald’s Deutschland gewandt! Zu dem Zeitpunkt hoffte ich noch, dies sei keine offizielle Firmenpolitik, sondern nur eine Fehlentscheidung des jeweiligen Franchise-Unternehmers. Tja, falsch gedacht…! Bei McD sind Radfahrer im McDrive ausdrücklich nicht willkommen!

Leider verhindern die umfangreichen „Disclaimer“, konkrete Inhalte dieser e-mail hier per Vollzitat zu veröffentlichen. Daher kann ich den (recht mageren…) Inhalt nur auszugsweise sinngemäß zusammenfassen: In der Antwort wird bspw. dargelegt, dass ein „McDrive nicht für Fahrräder gedacht und konzipiert“ sei. Woran man das erkennen soll…!? 🙄 Jedenfalls gibt man auch recht unumwunden zu, dass man befürchtet, ich könnte hier als „schlechtes Vorbild“ dienen und auch andere Radfahrer dazu motivieren, mit dem Rad (statt des Autos) durch den McDrive zu fahren… 🙄 Ja, eine furchtbare Vorstellung – wo kämen wir denn da hin…! Wenn alle nur noch mit lautlosen und umweltfreundlichen Verkehrsmitteln angefahren kämen! 😎

Schon alleine deshalb hätte ich z. B. schon einen gewaltigen Bock, dort mal einen Flash-Mobb zu veranstalten und den McDrive mit zig Fahrrädern zu belagern! Wer Lust hat, bitte melden. 🙂

Man bittet mich, mein Rad draußen anzuschließen und an der Theke zu bestellen. Nur schleife ich nicht jedes Mal ein Schloss mit – und dann müsste das Restaurant auch über Abstellmöglichkeiten verfügen. Genau das ist aber in Pirmasens nicht einmal der Fall – es gibt keinen einzigen Fahrrad-Abstellplatz! 🙄 Zudem sehe ich als Fahrer eines Fahrzeugs weiterhin nicht ein, warum ich drinnen länger warten soll, als draußen! 😐

Bevormundung

Letzten Endes werden (natürlich, wie heutzutage üblich) unbegründete „Sicherheitsbedenken“ vorgeschoben. Dass man trotz dieser „Gefahr“ des Übersehens natürlich weiterhin Motorrad-, Roller- und Mopedfahrer bedient – geschenkt. Man bittet mich in einem völlig selbstverständlichen, bevormundendem Ton, diese Diskriminierung gar als „Entscheidung zugunsten meiner Sicherheit“ zu werten. Tut mir leid – das tue ich nicht! 😡 Wenn mir „Sicherheit“ so viel bedeuten würde, dürfte ich mir dort ja grundsätzlich besser erst gar nix zum Futtern kaufen… :mrgreen: 😉

Ich vermute viel eher, dass es dem ein oder anderen Autofahrer einfach missfallen hat, dass er ab und zu mal einen Radfahrer vor sich stehen hatte und deshalb eine Minute länger warten musste. Und das der Bedienung auch so mitgeteilt hat. Was liegt dann näher, als dem Radfahrer einfach die Durchfahrt zu untersagen…!?

Lob für die Konkurrenz

Dass es auch anders geht, bewies der Franchise-Nehmer der örtlichen Burger King-Restaurants. Das „Goldene M“ boykottiere ich seitdem jedenfalls. In Zweibrücken wurde ich bei der Durchfahrt des DriveIn jedoch im Januar 2017 ebenfalls aufgefordert, dies zukünftig zu unterlassen. Meine Beschwerde per e-mail führte aber dazu, dass der Geschäftsführer seinen Mitarbeitern umgehend die Anweisung erteilte, natürlich auch (erwachsene) Radfahrer im DriveIn zu bedienen! 🙂 Lediglich bei Kindern, die das hin und wieder aus „Spaß“ tun würden, sei man etwas strenger.

5 Gedanken zu „Radfahrer im „McDrive“ unerwünscht“

  1. Berichte in der Lokalzeitung wirken da manchmal Wunder. Schon mal drüber nachgedacht?

    In Dortmund gibt es einen Golfclub, auf dessen Gelände man nicht mit dem Rad darf und die finden das sinnvoll. Fährt ja eh keiner mit dem Rad dahin, meinten die.

    1. Natürlich. Die örtliche Lokalpresse interessiert sich aber insgesamt nur mäßig für das Thema Radverkehr. Es taugt auch nicht zur Skandalisierung in einer Gegend, in der der Radverkehrsanteil bei unter einem Prozent liegt. Man bekäme dann wohl eher zu hören, dass McD hier vollkommen richtig handelt!

      1. Also hier die interessieren sich für alles, wo jemand meint, ungerecht behandelt zu werden und machen große Artikel draus. Bußgeld bekommen nach Jahrzehnten illegalem Parken auf dem Gehweg? Kein Problem, die Lokalredaktion kommt hier selbst für soetwas raus und macht einen großen Artikel draus. Die würden auch bei dir kommen und dann das ein bisschen aufbauschen und McDoof sähe sich gezwungen, die Praxis zu ändern. Daher brachte ich das ins Gespräch. Die interessiert halt das Aufregerpotenzial und weniger die Sache an sich, aber negative Presse mag keiner.

      2. Naja, ich weiß nicht, ob du dir den Rheinpfalz-Artikel in Sachen B 10 im Winter durchgelesen hast? Das war auch nur eine der beiden regionalen Zeitungen, die überhaupt ein Interesse daran hatte. Im Ergebnis stellt der Artikel meine Forderung als unberechtigt dar, festigt damit die Vorurteile von Autofahrern, dass Radfahrern im Grunde gar nix zusteht. Und wird dabei auch noch unterstützt durch eine mehr als „unglückliche“ Stellungnahme des ADFC. 🙄

        In Sachen McD wär mir ein Flashmobb lieber gewesen, da hätte dann die Presse auch gerne Wind von kriegen können. Andererseits isses mir auch nicht so wichtig; der Laden hat es bei mir einfach verkackt!

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