Ralf Ludwig: Umschwenken der Gerichte?

Ralf Ludwig hat sich in einem Video von den Klagepaten am 15. Oktober zu den Aufhebungen der Beherbergungsverbote in Niedersachsen und Baden-Württemberg, zu den Äußerungen des Präsidenten des rheinland-pfälzischen Verfassungsgerichtshofs als auch zu einem aktuellen, von ihm betreuten Verfahren vor dem Oberverwaltungsgericht Hamburg geäußert. Da jenes Video einige wissenswerte Informationen enthält, möchte ich hierzu mal wieder eine Transkription anbieten.

Transkript

Hallo, ich begrüße euch heute am Donnerstagabend. Heute ist ja ein Tag, an dem unglaublich viel passiert ist, ihr habt das sicherlich verfolgt. Es gab ja seit gestern die Diskussionen in Berlin um die neuen Maßnahmen und die neuen Regeln, bei denen wohl das Motto sei, je härter, desto besser?

Insbesondere aus dem Süden der Republik kommen ja sehr harte Forderungen. Die Bundeskanzlerin sieht das auch so. Was ich sehr bedenklich finde, ist die Art und Weise, wie argumentiert wird. Dass zum Beispiel durch den Kanzleramtsminister gesagt wird, wenn die Ministerpräsidenten nicht hart genug entscheiden, dann müssen wir Menschen halt dafür sorgen, dass die Maßnahmen eingehalten werden (…) was ich für sehr bedenklich halte, weil das ist die Aufforderung zum Denunzieren. Auch das halte ich für sehr bedenklich (…), was der Gesundheitsminister da sagt, weil er die Menschen auffordert, andere Menschen zu kontrollieren, hart zu anderen Menschen zu sein und was eben auffällig ist, diejenigen die das fordern sind Teil der Exekutive, also Teil der Regierung. Erstaunlicherweise kommen genau die harten Forderungen auch genau in dem Moment, wo die Judikative, also die rechtsprechende Gewalt, die Gerichte, sich gerade ein bisschen gegen die Maßnahmen stemmen.

Wir haben denke ich gestern und heute eine Situation, wo tatsächlich die Gerichte beginnen, nachzufragen, was passiert hier eigentlich in diesem Land? Und sie fragen das in einer sehr, sehr deutlichen und harten Art und Weise. (…) Die Gerichte haben jetzt nämlich deutlich gemacht oder Richter haben deutlich gemacht, dass die Art und Weise, wie gehandelt wird, durchaus als rechtswidrig oder als verfassungswidrig angesehen werden und überprüft werden kann. Ich (…) möchte gerade mal vorlesen; da hat der Präsident des Verfassungsgerichtshofs in Rheinland Pfalz, Lars Brocker, den Bundestag deutlich aufgefordert, die Corona-Auflagen auf solide gesetzliche Füße zu stellen. Das, was wir Juristen übrigens schon seit Monaten sagen; was schon in den ersten Verfahren, die Kollegen und ich gemacht haben, von uns gekommen ist, dass wir gesagt haben: Dieses Infektionsschutzgesetz, diese eine Regel in § 28 IfSG kann doch nicht ein ganzes Land stilllegen, kann doch nicht alle Maßnahmen decken. Und auch hier ist es jetzt so, er sagt deutlich:

Seit Monaten formulieren Verwaltungsgerichte bundesweit in ihren Beschlüssen Bedenken gegenüber dem bislang weitgehend exekutiven Regelungsregime der Corona-Verordnungen.

Das ist eine sehr, sehr harte Aussage von einem Richter. Exekutives Regelungsregime heißt, normalerweise machen die Regeln in unserem Land, macht der Gesetzgeber. Und der Gesetzgeber kann auch Regelungen treffen, wo er dann sagt, dass die Exekutive, also die Behörden, die Regierungen, die Ministerpräsidenten oder die Ministerien, bestimmte Dinge regeln können. Aber die wesentlichen Sachen stehen, und das sagt er auch, unter Parlamentsvorbehalt. Wesentliche Sachen, wie z. B. ein Land in einen Lockdown zu bringen, stehen unter Parlamentsvorbehalt, da muss das Parlament sagen: „Jawoll, wir als Parlament geben folgende grundsätzlichen Regelungen, unter denen man dann ein Land in den Lockdown führen kann.“

Doch auch hier hat ja die Kanzlerin schon gesagt, wenn diese ominöse Inzidenz von 35 oder 50 oder mehr und dann über 10 Tage, über diesen Wert ist, dann müsse man über noch härtere Maßnahmen nachdenken. Das heißt, die Bundeskanzlerin sagt im Prinzip, was die Ergebnisse seien sollen, wenn irgendeine bestimmte Inzidenz gegeben ist. Und das muss zwingend der Gesetzgeber machen. Und das sagte hier auch der Richter.

Und heute, witzigerweise, haben gleich zwei Gerichte, nämlich der VGH in Baden-Würrtemberg und das OVG in Niedersachsen die sogenannten Beherbergungsverbote gekippt. Da wurde auch ganz klar so argumentiert. Es wurde eben juristisch argumentiert. Es wurde gesagt, auf der einen Seite steht der Schutz, also die Gesundheit und auf der anderen Seite steht die Freizügigkeit. Und es gibt erst einmal keinen Grund, warum die Freizügigkeit pauschal so eingeschränkt werden soll, wie das jetzt hier passiert ist mit den Beherbergungsverboten. Und die sind einfach gekippt worden. In einstweiligen Verfügungsverfahren, weil die Gerichte offensichtlich jetzt beginnen, etwas deutlicher zu dahinter zu kucken und zu sagen: „Oh mein Gott, es gibt ja nicht nur das Grundrecht, das jemanden in seiner körperlichen Unversehrtheit schützt, sondern es gibt auch andere Grundrechte. Diese anderen Grundrechte müssen wir auch erhalten und schützen.“

Etwas anders hat es an einer Stelle jetzt das OVG Hamburg gesehen. Da hab ich halt auch gegen den Maskenzwang schon vor längerer Zeit ein Verfahren gemacht. Und jetzt, in diesem Verfahren hab ich mal deutlich argumentiert. Da habe ich gesagt, wenn wir keine Chance haben dass über die grundsätzlichen Fragen, warum wir diese Masken tragen müssen – nämlich die Frage 1: Gibt es überhaupt eine epidemische Lage von nationaler Tragweite? Gibt es überhaupt eine Übertragbarkeit oder eine Infektion, die so schlimm ist, dass ganz viele Menschen dadurch krank werden oder sterben? Also gibt es überhaupt die Voraussetzungen für die Einschränkungen im Infektionsschutzgesetz? Und dürfen dann die staatlichen Behörden diese Maßnahmen machen?

Und das muss aus meiner Sicht ein Gericht auch in einem Eilverfahren, mit Plausibilität zwingend überprüfen. Und bisher, das ist ja das, was ich häufiger sage, sagen die Gerichte: „Neinnein, das RKI hat festgestellt, die Gefährdungslage ist hoch und deswegen dürfen die Regierungen quasi machen, was sie wollen.“ Und da habe ich gesagt, und das habe ich auch auf meinen Reden bei Demonstrationen versprochen: Wir werden diejenigen, die verantwortlich sind, die das jetzt hier gerade machen – wir werden sie zur Verantwortung ziehen. Wir werden hinterfragen: Sind die Regelungen, die jetzt getroffen werden überhaupt rechtmäßig, sind sie richtig und hätte man sie treffen dürfen? Und das habe ich eigentlich nur dem OVG deutlich gemacht. Ich hab gesagt, ihr Richter müsst hier überprüfen. Und wenn am Ende rauskommt, dass ihr auch mit für die Kollateralschäden, die möglicherweise passieren, verantwortlich seid, dann werden wir euch auch genau im Rahmen dieser Verantwortlichkeit zur Verantwortung ziehen. Und daraufhin sagt jetzt das Gericht:

„Soweit die Antragstellerin vorbringt, die Auffassung des Verwaltungsgerichts und anderer Verwaltungs- und Oberverwaltungsgerichte zur Verfassungsmäßigkeit von § 28 verändere“ – und jetzt kommt das Zitat – „vollständig die rechtlichen Grundlagen unseres Staatswesens, es handele sich mithin um einen vollständigen Paradigmenwechsel und mit gewisser Wahrscheinlichkeit eröffne diese Auffassung den Anwendungsbereich des Artikels 20 (4) – also das Widerstandsrecht – ist auch dies abwegig und mit Nachdruck zurückzuweisen.“ Sagt das Gericht. „Dass das Beschwerdegericht es wegen dieser Auffassung, die es ebenfalls teile, unternehme, die in Artikel 20 verankerte Ordnung zu beseitigen, ist eine ebenso wahrheitswidrige wie bösartige Unterstellung.“

Das heißt, also die Richter fühlen sich hier tatsächlich angegriffen, in dem Moment, wo ich sage: Wenn ihr als Richter nicht sauber überprüft, ob die Voraussetzungen für diese heftigen Maßnahmen, die wir Menschen erleiden müssen, gegeben sind, dann macht ihr euch gegebenenfalls schuldig. Und dann werden wir das hinterher überprüfen und kucken, ob wir euch nicht zur Verantwortung ziehen.

Weil wir als Anwälte, wir sagen in jedem Verfahren (…) der Kollege Pankalla macht das, der Kollege Sattelmaier macht das, der Kollege Moser macht das. Alle Kollegen, die ich kenne machen das; die sagen den Gerichten immer wieder: Überprüft die Voraussetzungen, prüft nach, ob die Behörden das, was sie hier tun, ob die Minister das, was sie hier tun überhaupt machen dürfen. Ob sie einen Lockdown anordnen dürfen, ob sie Beherbergungsverbote anordnen dürfen, ob sie anordnen dürfen, dass es Sperrstunden gibt usw. alleine aufgrund von § 28 IfSG und der Aussage des RKI, die nicht überprüft wird.

Wenn ihr das macht und dadurch Schäden entstehen, dann seid ihr Richter auch verantwortlich. Das habe ich in diesen Verfahren gesagt. Und man sieht, dass die Richter genau davor Angst haben. Sie haben es natürlich mit Nachdruck zurückgewiesen. Aber sie haben sich darauf eingelassen, weil sie wissen, dass möglicherweise etwas dran ist.

Und man sieht jetzt eben auch genau das, was ich übrigens hier gesagt habe, hat ja der Präsident des Verfassungsgerichtshofs in Rheinland-Pfalz kritisiert, er hat genau das gesagt. Nämlich das, was die hier sagen, was nicht so wäre, nämlich dass § 28 IfSG eine, oder die Maßnahmen einer gesetzlichen Grundlage bedürfen, dass das nicht mehr tragfähig ist. Genau das, was dieser Präsident des Verfassungsgerichtshofs gesagt hat. Das verneinen sie hier sogar noch einmal als Richter.

Und wir Juristen – und das ist das, was wir immer versprechen, sowohl von Klagepaten als auch von Anwälte für Aufklärung als auch alle Juristen, die kritisch sind – wir werden das verfolgen und wir werden die Verantwortlichen hier auch zur Verantwortung ziehen.

Wir denken jetzt auch, dass (…), jetzt möglicherweise auch wegen dieser Härte, mit der jetzt neue Maßnahmen gefordert werden und was jetzt vorgetragen wird, die Richter auf einmal sagen: „Moment, was passiert hier eigentlich? Wir haben doch eigentlich keine starken Belegungszahlen in Krankenhäusern, wir haben keine erhöhte Todesfallrate, wir sind einfach ganz normal, gehen wir jetzt in den Winter, wo natürlich Atemwegserkrankungen auch zu ärztlicher Behandlung und möglicherweise Krankenhausaufenthalt, möglicherweise Intensivstation, eventuell auch zum Tod und auch zu Langzeitschäden führen können, was immer durch Atemwegserkrankungen passieren kann. Aber wir sind nicht in einer Sonderlage, wenn wir das mit anderen Jahren vergleichen.“

Und jetzt auf einmal schon sollen harte Maßnahmen getroffen werden, dass jetzt die Gerichte sagen: „Okay, im März haben wir das noch mitgemacht, obwohl wir eigentlich keine Tatsachengrundlage haben. Obwohl wir nicht wussten, warum das passiert. Und jetzt, nach 6 Monaten, wo wir doch mittlerweile relativ viele Informationen haben, wo ja sogar die Tagesschau mittlerweile durch investigative Journalisten des WDR und NDR und der Süddeutschen Zeitung sagen, wir stellen ja fest, dass diese PCR-Tests viel zu sensibel sind, dass jemand schon als krank gemeldet wird, der möglicherweise nur Reste von irgendeinem Virus noch hat, wo überhaupt keine Krankheit ist, wo überhaupt keine Infektion ist, wo möglicherweise eine Krankheit oder eine Infektion schon seit Monaten ausgestanden ist. Und die werden trotzdem als „infiziert“ bezeichnet. Und nur wegen der Bezeichnung „infiziert“ werden auf einmal harte Maßnahmen getroffen. Dass da jetzt auch die Richter sagen: „Moment, das kann nicht sein. Wir fangen an das zu überprüfen. Wir fangen an, es zu hinterfragen und gegebenenfalls kippen wir auch einzelne Verordnungen oder Regelungen.“

Das ist der Punkt, also für mich ist es heute ein Tag der Hoffnung, dass das Recht sich wieder durchsetzt. Dass das Recht langsam anfängt, wieder einzusetzen und die Dinge, die hier passieren, wieder zu überprüfen.

Vielen Dank; ich wollte euch noch darauf hinweisen; Heute gibt es noch um 20 Uhr noch eine Live-Premiere zum Thema Maskenpflicht. Ist sehr interessant, auch ein neues Argument, habe ich dort gelernt, was die Maskenpflicht betrifft. Warum und wie man argumentieren kann, wenn man ohne Maske in ein Supermarkt geht, in ein Einzelhandelsgeschäft. Kuckt es euch auf jeden Fall an, ist total spannend. Und ich freue mich ansonsten, euch wahrscheinlich nächste Woche wiederzusehen. Bis dann. Tschüss!


Kommentar

Ich würde Ralf Ludwig gerne zustimmen, aber viele Gründe für Optimismus sehe ich hier nicht. Beherbergungsverbote wurden bspw. bereits im Juli schon einmal vom Bayerischen VGH außer Vollzug gesetzt.

  • Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof hat am 28. Juli mit dem Beschluss 20 NE 20.1609 (pdf) die Beherbergungsverbote für Gäste aus inländischem Risikogebiet vorläufig außer Vollzug gesetzt (pdf).

Was Diktator Söder nicht gehindert hat, jene erneut zu erlassen. Auch die Aufhebung des Gütersloh-Lockdowns durch das OVG NRW brachte ja leider ebenfalls keine wirkliche Wende. Ich würde mich natürlich gerne positiv überraschen lassen – aber ich sehe in Deutschland einfach keinen Rechtsstaat mehr. Erst recht nicht unter einem BVerfG-Präsidenten Harbarth.


Ergänzung 16. Oktober

  • Breaking: Sperrstunde In Berlin gekippt! Friedemann Däblitz | Klagepaten.

Siehe auch

Coronoia: Juristische Lichtblicke?

Rede von Ralf Ludwig in Ehningen

Coronoia: „Der Rechtsstaat ist tot!“

13 Gedanken zu „Ralf Ludwig: Umschwenken der Gerichte?“

  1. da hat der Präsident des Verfassungsgerichtshofs in Rheinland Pfalz, Lars Brocker, den Bundestag deutlich aufgefordert, die Corona-Auflagen auf solide gesetzliche Füße zu stellen.

    Das mag er gesagt haben. Er hat aber auch gesagt:
    Der Deutsche Bundestag müsse nun gesetzgeberisch tätig werden, um die Verordnungen, die ein „notwendiges Instrument zur Bekämpfung der Corona-Krise“ seien, auch verfassungsrechtlich abzusichern.

    Und das heißt für mich nichts anderes, als daß er das alles gut findet, es soll halt nur vom Parlament bzw. den Parlamenten beschlossen werden anstatt von Angie-der-Menschenhasserin und ihren Getreuen alleine.

    Insofern sehe ich da auch nur sehr bedingt Hoffnung am Horizont auftauchen.
    Aber wir werden sehen. Immerhin ist es ein Schritt in die richtige Richtung.

    1. Jep. Ich hatte das auch in meinem kurzen Kommentar rechts in der Seitenleiste angemerkt. Der Brock will diesen ganzen Irrsinn lediglich gesetzlich absichern. Und derzeit regiert im Bundestag bekanntlich die CED – Corona-Einheitspartei Deutschlands; siehe das Interview mit Robert Fleischer zur auch von der „Opposition“ abgesegneten, heimlichen Einfügung des Artikel 143h ins Grundgesetz. Das heißt, die würden das auch unzweifelhaft alles einfach durchwinken; es würde nur etwas länger dauern. Ludwig unterliegt da dem naiven Irrglauben, dass die Parlamentarier anders handeln würden. Also genau die, die es seit einem halben Jahr gar nicht stört, dass man sie dazu auch gar nicht fragt.

      1. @Dennis,

        naja, damals Ende März im Bundesrat, das war ja ein Eilantrag von Spahn (die reguläre Sitzung wäre, wenn ich das recht in Erinnerung habe, genau eine Woche später gewesen!). Den man nur komplett annehmen oder ablehnen konnte. Weil da aber das Konjunkturpaket für die »armen geplagten BürgerInnen« mit drin war, haben die MPs der Länder bzw. ihre Justizministerien leider nicht den Arsch in der Hose gehabt, es abzulehnen, obwohl es Diskussionsbedarf gab. Dann hätten sich ja am Ende ggf. noch andere überzeugen lassen, erstmal abzuwarten bzw. nur Teile umzusetzen.

        Das ist ja das, was ich seit einem Dreivierteljahr so unmöglich finde: durch Kontaktverbote sowie Schul- und Unischließungen – HomeOffice paßt da auch noch rein – gibt es kaum noch Möglichkeiten, daß diese Dinge im Volk diskutiert werden! Und so wird die Möglichkeit genommen, nicht-offizielle Meinungen kundzutun und weiterzugeben.

        Ich habe schon lange den Verdacht, daß das definitiv kein Zufall war…

        1. Dass solche „Pakete“ sehr gerne bewusst gepackt werden, ist eigentlich gängige Praxis. Eine zutiefst undemokratische, aber eben: gängige Praxis. Dass viele dann nicht den Mumm haben, sich dieser vorsätzlichen, strukturellen Erpressung zu verweigern, sagt wieder viel über den Zustand unserer parlamentarischen Demokratie aus.

          Große Teile dieses Volks haben doch absolut Null Interesse, über diesen Irrsinn zu diskutieren? Denn: sie sind die Guten – und alle anderen: Nazis! Außerdem hätte die Sache mit dem Daheim-einschließen bzw. separieren ja auch nach hinten losgehen können; vor allem, wenn die Leute die Zeit genutzt hätten, sich im Internet selbständig zu informieren. Ein klassischer 8-Stunden-Arbeitstag hält die Leute m. E. sogar wesentlich erfolgreicher davon ab, mit dem selbständigen Denken anzufangen, als ein „Lockdown“. Dass sie das im Frühjahr nicht getan haben, belegt m. E., dass die Mehrheit überhaupt kein Interesse oder auch gar keine Befähigung hat, „sich ihres Verstandes ohne Anleitung eines anderen zu bedienen.“

          1. „(…)daß die Mehrheit überhaupt kein Interesse oder auch gar keine Befähigung hat, ’sich
            ihres Verstandes ohne Anleitung eines anderen zu bedienen.‘ “
            Das ist auch das, was mich immer wieder erschreckt, wahnsinnig, sprachlos macht.
            Und das bei Leuten, die sich selber für intelligent halten.
            Was ist passiert, daß eine solche Masse der Dumpfheit anheimfällt ?
            Ich verstehe es nicht, ich verstehe es einfach nicht mehr…

          2. Wenn du ehrlich zurückblickst: Waren die Leute nicht schon immer so? Es fiel vielleicht nicht so deutlich auf. Oder man hat es verdrängt. Hielt es im Detail für unwichtig. Man wollte keinen Streit.

            Wir sind eine Gesellschaft voller Fachidioten, die sich alle für (universell) gebildet halten. Mit „Intelligenz“ hat das, was man in den meisten Ausbildungen und Studiengängen in aller Regel „lernt“ und später im Beruf macht, doch nix zu tun. Da zählt in erster Linie der Fleiß.

            Denken tun die Leute meist nur, wenn sie dafür Geld kriegen bzw. kriegen könnten.

      2. Ja, das klingt erstmal nur nach einer Forderung von rechtlicher Absicherung. Es kann aber auch anders gemeint sein bzw. deutlich nach hinten losgehen. „Wenn Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht!“ Wenn der ganze rechtswidrige Wahnsinn also in Gesetze verpackt wird, kann jeder sehen, dass wir kein Rechtsstaat mehr sind. Denn inwiefern verfassungswidrige Maßnahmen, verfassungskonform in Gesetze gegossen werden soll, will ich mal sehen. Dann können wir auch gleich alle Grundrechte abschaffen. Wir brauchen ja scheinbar nur noch das neue Ermächtigungsgesetz: Infektionsschutzgesetz.

    2. Und um dem noch etwas erläuterndes hinzuzufügen:

      Wenn es keine Probleme gäbe, diese angeblich »zur Bekämpfung der Corona-Krise notwendigen Verordnungen« durch die Parlamente zu bekommen, warum hat man dann überhaupt auf Spahns Ermächtigungsgesetz zurückgreifen müssen?!

      Einem Verfassungsgerichtspräsidenten sollte doch klar sein, daß das irgendwie komisch ist. Und dann sollte er sich mal fragen, warum das wohl so gehandhabt wurde.

      Ernsthaft: haben die alle, bis in hohe Ämter hinein, das kritische Denken verlernt?!

  2. Was mich irritiert, ist doch die Tatsache das keines der Gerichte im Eilverfahren z.B. „erstmal für das Leben entscheidet“ wie es immer so schön heisst aber Nachweise für die Hauptsache verlangt um auch selber sicher zu gehen ……..
    Denn auch die Richter die sich einfach auf Zeitungen berufen und davon ausgehen das da immer die vollständige Wahrheit steht sind doch ……..
    Stattdessen sollen die Gesetze abgeändert werden das das passt !
    So kommt man doch oder zumindest einer (ich) der sich das anschaut über kurz oder lang zu der Frage ob man hier nicht von fortgesetztem vorsätzlichen gemeinschaftlich begangenen Landesverrat aller beteiligten inklusive der Helfer in den Medien ausgehen muss???

    1. Bei den Verwaltungs- und Verfassungsgerichten bin ich mir noch nicht so sicher. Dort ist das eigentlich Business as usual. Wobei die Qualität des demonstrativen Unwillens der Gerichte dieses Mal alles bislang dagewesene atomisiert.

      So langsam machen die Anwälte aber endlich auch richtig Druck. Die hätten meiner Meinung nach auch schon längst Strafanzeigen wegen Rechtsbeugung stellen sollen.

  3. @Dennis
    Da magst Du sicherlich recht haben. Allerdings frage ich mich, welchen Sinn macht es denn dann
    noch, weiterzuleben ? In einer Welt, die von gegenseitigem Unverständnis geprägt ist, von fehlender
    Empathie, mangelnder ernsthafter Auseinandersetzung, Ignoranz, Heuchelei, Pseudo-Gehabe (wie
    angeblicher Solidarität,etc.), uvm. ? In der ich nicht mal mehr meinem Beruf nachgehen kann ?
    Ich sehe da – ehrlich gesagt – keinen Hoffnungsschimmer mehr. Und wenn in diesem Sinne Leben
    hauptsächlich Kampf bedeutet, dann strecke ich jetzt die Waffen.

    1. Warum? Weil (noch) nicht alle Menschen so sind? Das ist doch gerade das Tolle an diesem Irrsinn: Man lernt seine bisherigen „Freunde“ so kennen, wie sie sind. Und auf der anderen Seite lernt man Menschen kennen, die eben ihren Kopf nicht nur als Maskenständer durch die Gegend tragen. Keine Ahnung, vielleicht bin ich in dieser Hinsicht schon zu „abgehärtet“? Ich hatte mich ja in dieser Gesellschaft noch nie wirklich wohl gefühlt und bin dann auch vor rund 10 Jahren weitestgehend ausgestiegen. Aber ehrlich: Mir fehlt nichts. Im Gegenteil; ich sehe es als Qualitätsmerkmal. Einfach mal hinterfragen, ob all das, was man bisher für erstrebenswert – sei es nun materiell oder sozial – hielt wirklich „echt“, wirklich wichtig war?

      Ja, die Zeit derzeit ist hart. Und ich befürchte auch, dass das noch schlimmer wird. Aber im Grunde ist das eben auch eine Chance, das System im Ganzen zu ändern. Denn ich persönlich will auch nicht zurück nach 2019. Das würde mir nicht reichen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Durch das Absenden des Kommentars werden Ihr gewählter Name, Ihre Email-Adresse sowie der von Ihnen verfasste Text gespeichert. Kommentare, die unter Angabe einer Fake-e-mail-Adresse angegeben werden, werden zukünftig gelöscht. Weitere Informationen finden Sie in der Datenschutzerklärung. Sie können ihren Text per html-Tags formatieren.

Bei Problemen mit dem Captcha bitte den Text in die Zwischenablage kopieren und die Seite mit StrG + F5 neu laden.

+ 52 = 57