Rede von Diana Osterhage in Hannover

Auf besonderen Wunsch einer fleißigen Kommentatorin 😉 die Transkription der Rede von Diana Osterhage (von Eltern stehen auf) auf der Demo am 12. September in Hannover.

Transkript

So. Ohgottohgott! Hallo, ähm, ich bin ein bisschen aufgeregt. Spreche das erste Mal vor so vielen Menschen. Aber nachdem Gunnar Kaiser auch ein Skript hatte, habe ich jetzt auch mit meinem kein Problem.

Also, ich spreche heute zu euch für die Bürgerinitiative „Eltern stehen auf“ und wir sind Eltern, die sich gegenseitig unterstützen, in dem Versuch, die Kinder möglichst unbeschadet durch diese Welt zu bringen. Wir bieten eine Plattform zum vernetzen, virtuell, Telegram kennt glaube ich jeder, und im realen Leben. Ich möchte euch heute davon erzählen, wie es den Kindern zur Zeit geht. Die Phase, in der es den Kindern gar nicht möglich war, sich zu treffen und ihre sozialen Kontakte wahrzunehmen, ist ja zum Glück vorbei. Viel besser ist es aber nicht geworden.

In den Kindergärten werden die Kinder auf vorgegebenen Wegen durch den Kindergarten geleitet. Sie können nicht mit ihren Freunden spielen, wenn die in der anderen Kindergartengruppe sind.

Die Einschulungsfeiern waren vor allem geprägt von Regeln, Vorschriften, Einschränkungen und Masken. Mit einem fröhlichen, ausgelassenen Fest in der ganzen Familie, bei dem Oma und Opa stolz sind auf ihre Enkel und alle gemeinsam singend und voller Rührung bei der Feier sitzen, hatte das nichts zu tun. Es durfte nur eine Begleitperson bei der Einschulungsfeier sein. Und die Klassenfotos wurden mit Maske gemacht.

Schon vor den Ferien habe ich eine Geschichte gehört von einem Kind, das noch vor den Sommerferien mit Erlaubnis der Schule ohne Maske auf dem Schulhof sein durfte. Irgendwann, aus heiterem Himmel, wurde die Regel von der Schulleitung geändert und die Kinder ohne Maske durften nur noch auf Stühlen innerhalb eines markierten Bereiches sitzen, wenn sie keine Maske aufhatten.

Ansonsten durfte auf dem ganzen Schulgelände die Maske nicht mehr abgenommen werden. Und da brechen dann selbst die stärksten Eltern ein und möchten nicht, dass die Kinder bei der Schule auf dem Kieker sind. Und selbst die Kinder, die bisher ohne Maske waren, tragen jetzt auf dem Schulhof im Freien eine Maske. Jetzt hat das Mädchen ein Attest und darf sich frei auf dem Schulhof bewegen. Und jetzt sagt mir bitte, ist das Virus weniger gefährlich, wenn die Kinder mit Erlaubnis keine Maske aufhaben?

Das ist reine Schikane. Lehrer und Schulleiter machen ihre eigenen, willkürlichen Regeln und machen keinen Hehl daraus, dass ihnen die Regeln noch nicht weit genug gehen. Zum Teil kommunizieren die Schulleiter ganz offen, dass sie darauf hinarbeiten, dass die Kinder den ganzen Tag die Maske tragen, also auch im Unterricht. Und wir Eltern haben keine Chance, uns dagegen zu wehren, weil wir unsere Kinder aufgrund der Schulgebäudeanwesenheitspflicht in diese Willkür schicken müssen. Wir können noch nicht mal vor dem Lehrerzimmer warten, um die Lehrer oder die Rektoren zur Rede zu stellen, weil wir die Schulgebäude nicht mehr betreten dürfen. Was laut Anwälten für Aufklärung nicht rechtens ist. Aber auch das wird einfach so gehandhabt; davon ausgehend, dass sich die Eltern schon alle dran halten. Recht und Gesetz scheinen keine Rolle mehr zu spielen. Zum Teil bieten sich sogar Nachbarn an und informieren die Schulleitung, wenn ihnen auffällt, dass die Kinder auf dem Pausenhof die Abstände nicht einhalten.

Der Rahmenhygieneplan für Schulen in Niedersachsen sagt, dass die Kinder, wenn sie sich innerhalb ihrer Kohorte aufhalten, keine Abstände einhalten müssen und auch keine Maske tragen müssen. Meine eigenen Kinder verbringen ihre Pause in abgetrennten Bereichen innerhalb ihrer Kohorte und müssen dennoch eine Maske tragen. Auf meine Anfrage per mail, warum der Hygieneplan in der Schule strenger ist als die Vorgaben der Landesregierung, habe ich genau keine Antwort bekommen.

Meine eigenen Kinder sind zwar vom Tragen der Maske befreit, tragen sie aber trotzdem, weil sie die einzigen wären in der Schule, die die Maske nicht aufsetzen. Und ich als Mutter, habe keine Chance, ihnen das zu ersparen. Um euch einen kleinen Einblick in die Welt der Kinder und damit auch der Eltern derzeit geben zu können, habe ich in unserer Notfall-Telegram-Gruppe gebeten, dass mir Eltern ein paar Erlebnisse schildern, die sie derzeit in den Schulen erleben. Ich habe euch einige davon mitgebracht.

Ein Vater hat berichtet, dass die Kinder auf dem Pausenhof nur kurz die Maske abnehmen, um frei atmen zu können – und sofort kommt der Schulleiter angerannt, schreit die Kinder zusammen und droht jedem mit 50 Euro Bußgeld.

Eine Mutter berichtet, dass ihr Sohn nachhause kommt und weint. Und ich muss wahrscheinlich gleich selber weinen, weil mich das wirklich rührt. Und der Junge hat seine Maske verloren. Die Lehrerin gibt ihm eine und die ist größer, die ist ihm zu groß und die rutscht. Und er kann jetzt auf dem Schulhof nicht richtig spielen, weil immer die Maske rutscht. Und in der Klasse wollte er dann die Maske dann nicht absetzen, damit er nicht sieht, damit seine Klassenkameraden nicht sehen, dass er geweint hat.

Weiter berichtet die Mutter, dass jeden Morgen vor der Schule zwei oder drei Schüler stehengelassen werden, weil sie keine Maske haben. Die Lehrer lassen die Kinder einfach vor der Schule stehen und die müssen da warten, bis die Eltern ihnen eine Maske vorbeigebracht haben.

Eine andere Mutter schrieb mir, dass ihr Sohn, der erst seit einigen Wochen überhaupt in die Schule geht, also 1. Klasse und er ist der einzige auf dem Schulhof ohne Maske. Und der hat gleich in einer der ersten Wochen eine Ansage von einem Zweitklässler gekriegt, »wenn du morgen keine Maske trägst, brech ich dir den Hals.«

Eine Mutter schreibt mir, dass ihre Tochter auf dem Schulhof angesprochen wird, dass sie andere Kinder anstecken würde, nur weil sie keine Maske trägt. Sie ist gerade mal die erste Woche in der Schule. Eigentlich möchte die Mutter ihr diesen ganzen Terror ersparen. Aber wenn sie die Maske trägt, geht es ihr danach auch nicht gut. Zuhause lassen darf sie das Kind auch nicht. Also was kann sie tun? Es bleibt ihr nur, ihre Tochter darin zu bestärken, das durchzustehen und sich den anderen Kindern und den Lehrern gegenüber stark zu zeigen, wenn sie wieder angesprochen wird.

An anderen Schulen dürfen die Kinder die Toilettentüren nicht schließen. Eine 15-jährige berichtet: »Ich bin 15, ich fand meine Maske anfangs richtig cool und trag sie sogar freiwillig. Die Influencer und Stars machen das schließlich vor. Meine Mutter hat sie mir genäht. Den türkisen Stoff mit pinken Erdbeeren habe ich selbst ausgesucht. Leider stellte ich sehr bald fest, dass ich erhebliche Einschränkungen durch das Tragen der Maske habe, unter anderem Schwindel. Meine Eltern und meine Ärztin haben dafür Verständnis, ich hab ein Attest. Ich geh ohne Maske zur Schule. Dort muss ich mich von meiner Lehrerin als unsolidarisch bezeichnen lassen. Die Gründe interessieren sie nicht.«

Und ihr Bruder schreibt: »Ich bin 12 Jahre alt. Mein allererster Schultag nach wochenlangem homeschooling. Ich leide an Heuschnupfen, im Juni ist es besonders schlimm. Ich bekomme schlecht Luft, bin müde und häufig unkonzentriert. Mit der Maske ist es noch viel schlimmer. Nach kurzer Zeit bekomme ich starke Kopfschmerzen. Jetzt habe ich ein Attest, das mich von der Maske befreit. In meiner ersten Pause werde ich vom Rektor meiner Schule vor meinen Klassenkameraden wortwörtlich zusammengefaltet, dass meine Schwester und ich die einzigen Kinder seien, die es nicht hinbekommen, eine Maske zu tragen. Ruckzuck habe ich einen Stempel auf der Stirn: „der Gefährder“. Oder im Neusprech ausgedrückt: „Superspreader“. Nach der Schule bin ich total niedergeschlagen. Klein mit Hut. Neben Atemwegsbeschwerden habe ich nun auch noch Bauchschmerzen.«

Ich höre von Kindern, die zuhause erzählen, dass sie sich auf dem Pausenhof verstecken, damit sie heimlich ihre Maske abnehmen können. Und das ist nur die Situation auf dem Schulhof. Überall heißt es, dass die Masken ja in Niedersachsen im Unterricht nicht getragen werden müssen. Das stimmt. So ist die offizielle Regelung. Die Schulen allerdings motivieren die Kinder mit Fleißkärtchen, die Masken doch im Unterricht zu tragen.

Und ich frage Sie, ich frage Sie, liebe Lehrer und Lehrerinnen, liebe Rektoren und Rektorinnen, ist Ihnen klar, auf welch perfide Art und Weise Sie hier die Kinder manipulieren? Wie sehr Sie Mobbing durch Mitschüler oder noch schlimmer, durch die Lehrer selbst Vorschub leisten? Die Atteste, die die Kinder mitbringen und sie von der Maskenpflicht befreien, werden zum Teil von den Schulen abgelehnt. Warum? Weil keine Diagnose drinsteht. Liebe Lehrer, liebe Rekoren – was maßen Sie sich an? Greta Thunberg würde sagen: „How dare you?“

Sie haben jetzt nicht nur Mathe auf Lehramt studiert, sondern können auch noch medizinische Diagnosen beurteilen? Ich bin Heilpraktikerin und ich sehe in meiner Praxis Kinder, die die volle Bandbreite an Stresssymptomen zeigen. Sie fangen an Nägel zu kauen, sie schlafen schlecht, sie nässen wieder ein, [ihr kommen die Tränen] Entschuldigung. Bestehende Allergien und Symptome verschlechtern sich. Die Kinder haben Atemnot, Kopfschmerzen. Und trotzdem stellen die Kinderärzte keine Atteste aus – und die Schulleiter machen in ihrem Reich eigene Regeln. Und welches Kind stellt sich dem denn entgegen? Und sind die Kinder dann stark und tragen keine Maske, dürfen sie nicht mit in die Pause oder werden an einem Tisch im Klassenraum ganz hinten allein separiert. Das ist Missbrauch von Schutzbefohlenen.

Und die Eltern kriegen erst dann was mit, wenn das Kind Verhaltensänderungen zeigt. Nicht mehr in die Schule möchte. Appetitmangel oder Schlafstörungen bekommt. Hilfe bekommen sie dann trotzdem nicht, weil der Kinderarzt keine Empfehlung für homeschooling ausstellt. Und selbst wenn, werden die Kinder zwar jetzt vor dem Mobbing durch die Lehrer und Schulleiter geschützt. Aber natürlich auch von ihren Freunden getrennt und in ihren sozialen Kontakten eingeschränkt. Unter Umständen können sie sich nicht mal nachmittags mit ihren Freunden verabreden, weil deren Eltern das nicht möchten, da das Kind sich ja nicht regelkonform verhält.

Und das alles, obwohl es ausreichend Studien gibt, dass Kinder keine Infektionsquelle darstellen. Studien, die darlegen, wie gefährlich das Maskentragen für Kinder ist. Und alles basiert auf einem PCR-Test, der nicht geeignet ist, eine Infektion festzustellen. Und einer Gefahrenlage, die sich seit Wochen im Bereich der Fehlerquote des PCR-Tests bewegt. Warum spielen denn diese wissenschaftlichen Grundlagen keine Rolle?

Und an welcher Stelle haben denn die Erzieher und Lehrer aufgehört, kinderorientiert zu arbeiten? Sollte ihnen nicht das uneingeschränkte Wohl der Kinder am Herzen liegen? Wie können sich diese Personen zu Handlangern eines Systems machen, das offensichtlich nicht unsere Gesundheit im Sinn hat?

Es geht in erschreckend vielen Schulen und Kindergärten nur noch um das Einhalten von Regeln und das Abstrafen von Aufständischen. Ist das mit „Neuer Normalität“ gemeint? Ich hab mich oft gefragt, warum Lehrer, Erzieher, Schulleiter und leider auch viele Eltern das mitmachen? Ich denke, sie haben Angst. Angst vor dem Virus, vor Sanktionen, vor Ausgrenzung.

Lasst uns aufstehen und laut werden, für die Kinder, die Alten und für alle Menschen, die Angst haben. Wir dürfen nicht zulassen, dass Angst über Liebe und Mitgefühl siegt!


Siehe auch

  • Verbrechen an den Kindern | Im Rubikon-Exklusivinterview erklärt Tina Romdhani, dass viele der Corona-Maßnahmen Kindern körperlich und psychisch schaden. | Aaron Richter | Rubikon.
  • Im Gespräch: „Retten wir die Kinder!“ (Ursula Wesseler und Jens Lehrich) | Rubikon.

Rede von Markus Schlöffel in Heinsberg

Rede von Michael Fritsch in Aschaffenburg

Rede von Julia (Lehrerin) in Köln

7 Gedanken zu „Rede von Diana Osterhage in Hannover“

    1. Die als „Faktenfinder“ verkleideten Schergen eines der zahlreichen propagandistischen (wie die WHO teils von privaten, natürlich keine eigenen Interessen verfolgenden, „Wohltätern“ finanzierten) Wahrheitsministerien belegen einmal mehr, dass die Mehrheit ungebildeter Fachidioten sich eine Bevormundung in Form Betreuten Denkens nicht verbittet, sondern regelrecht herbeisehnt. Einer meiner ehemaligen Klassenkameraden, mit denen ich mein Fachabi gemacht hatte, merkte einmal an, es sei ja schließlich nicht seine Aufgabe, abseits seines Berufs 1 + 1 zusammenzuzählen; dafür werde er ja auch nicht bezahlt. Was für ein erbärmlicher Stricher!

      Ich habe nicht viele Erinnerungen an meine Kindheit – aber einen Spruch einer meiner Grundschullehrerinnen habe ich nie vergessen. Nachdem ich mich wegen irgendwas (vermutlich hatte unser Hund mal wieder meine Hausaufgaben gefressen) mit „Aber ich habe gedacht, …“ rechtfertigte, antwortete diese für ihren Beruf vollkommen ungeeignete Schabracke: „Das Denken sollte man den Pferden überlassen, die haben schließlich größere Köpfe!“ Keine Ahnung; vielleicht war ja genau dieser dumme Spruch die Initialzündung, ein vollkommen sturer, bockiger, keine Autoritäten anerkennender Querulant und -denker zu werden? 😉

      Ergänzung: Kinder | DocUro2020.

  1. Those who can make you believe absurdities, can make you commit atrocities. Voltaire

    Es ist eine Katastrophe.
    M.E. muessen deshalb juristische Exempel schnellstens statuiert werden, der Kampf im kleinen wird nichts bringen.
    D.h. es muss gegen die Maskenpflicht im allgemeinen geklagt werden, da sie auf minimalsten und sehr widerspruechlichen wissenschaftlichen Fuessen steht, und domit ein medizinisches Experiment darstellt, welches als Pflicht gegen den 1. Grundsatz des Nuernberger Kodex fuer solche Experimente verstoesst, die Freiwilligkeit.

    Auch sollte gegen jegliche Nichtanerkennung (Hausrechte) und jegliche einschraenkende Vorschriften wie Befristung/Krankheitsgrund (Schulen) von Befreiungsattesten schnellstens grundsaetzlich in die hoechste Instanz geklagt werden, moeglicherweise anhand von Exempel statuierenden sofortigen Strafanzeigen wg. Noetigung und Diskriminierung bei solchen Verweisen.

    Wenn wir das nicht tun, wird es nur immer schlimmer, absurder und drakonischer.

    1. Klagen bringt nichts; Freislers Erben haben sich festgelegt. Das hat selbst Ralf Ludwig inzwischen eingesehen. Ich bin mir immer sicherer, dass das ohne Gewalt nicht mehr lösbar ist; diese Sadisten schüren einen Bürgerkrieg – und werden ihn früher oder später auch bekommen. Lass noch ein paar Kinder an ihrem Maulkorb ersticken. Und noch mehr dieser ach so um das Wohlergehen der Menschheit besorgten Soziopathen sich verächtlich über genau diese toten Kinder äußern.

  2. Das macht sprachlos. Schlimmer als die drohende wirtschaftliche Verelendung, die uns in nicht allzu ferner Zukunft droht, ist die Entzweiung der Menschen, das Aufkeimen von Mißtrauen und die zum Teil offen ausgelebte Feindseligkeit gegen Andersdenkende.
    Vor Jahren habe ich folgendes Buch gelesen:

    Die Flüsterer. Leben in Stalins Rußland. Von Orlando Figes
    https://www.amazon.de/Die-Fl%C3%BCsterer-Leben-Stalins-Russland/dp/3827007453

    Die Lektüre hat mich tief bewegt, die darin geschilderten Schicksale sind erschütternd. Nie hätte ich gedacht, daß im Jahre 2020 auch bei uns eine beklemmende Atmosphäre tiefen gegenseitigen Mißtrauens in einer paranoiden Gesellschaft entstehe würde! Nie hätte ich mir vorstellen können, daß auch bei uns so etwas möglich sein würde – und daß sich dieses Grauen in nur wenigen Monaten entfalten könnte!

    Ich empfehle die Lektüre: hier die Besprechung des Inhalts:

    Viele Darstellungen behandeln die sichtbaren Aspekte der stalinistischen Diktatur: die Verhaftungen und Prozesse, die Versklavung und das Morden in den Gulags. Kein Buch hat jedoch bislang die Auswirkungen des Regimes auf das Privat- und Familienleben der Menschen untersucht, den „Stalinismus, der uns alle ergriff“, wie es ein russischer Historiker einmal formuliert hat. Auf der Basis von Hunderten Interviews mit Zeitzeugen und zahllosen bislang unbekannten Dokumenten liefert nun Orlando Figes in Die Flüsterer erstmals einen unmittelbaren Einblick in die Innenwelt gewöhnlicher Sowjetbürger und zeigt an zahlreichen eindringlichen Beispielen, wie Einzelne oder Familien in einem von Misstrauen, Angst, Kompromissen und Verrat beherrschten Alltag um ihr Überleben kämpften. Für die Zeit der Revolution von 1917 bis zu Stalins Tod und darüber hinaus rekonstruiert Figes das moralische Gespinst, in dem sich die allermeisten Russen gefangen sahen: Eine einzige falsche Bewegung konnte eine Familie zerstören oder am Ende womöglich deren Rettung bedeuten. Keiner konnte sich sicher fühlen, nicht einmal die überzeugtesten Anhänger des Regimes. Wahrheit und Wahn, Schuld und Unschuld waren in diesem Unterdrückungssystem immer wieder auf fatal miteinander verquickt. Orlando Figes‘ neues Meisterwerk – in seiner erzählerischen Wucht und Aufrichtigkeit vergleichbar mit Grossmans Jahrhundertroman Leben und Schicksal – ist das breit angelegte Porträt einer Gesellschaft, in der jeder nur noch flüstert – entweder um sich und andere zu schützen oder um zu verraten. Ein ebenso schonungsloser wie ergreifender Bericht davon, wie schwach – und wie unvorstellbar stark – Menschen in einer von Paranoia geprägten totalitären Gesellschaft werden können.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Durch das Absenden des Kommentars werden Ihr gewählter Name, Ihre Email-Adresse sowie der von Ihnen verfasste Text gespeichert. Kommentare, die unter Angabe einer Fake-e-mail-Adresse angegeben werden, werden zukünftig gelöscht. Weitere Informationen finden Sie in der Datenschutzerklärung. Sie können ihren Text per html-Tags formatieren.

Bei Problemen mit dem Captcha bitte den Text in die Zwischenablage kopieren und die Seite mit StrG + F5 neu laden.

÷ 2 = 1