Schicke Anlehnbügel in Altheim

Als ich vergangenen Donnerstag vor dem Gespräch mit der Stadtverwaltung Pirmasens noch eine Runde über das saarländische Örtchen Altheim im Bickenalbtal drehte, nutze ich die Gelegenheit und machte mit meiner im Rucksack mitgeschleppten Kamera noch schnell ein paar Fotos der drei Anlehnbügel auf dem kleinen Platz vor der Kirche neben dem italienischen Restaurant. Einer davon ist sogar ein kleines, aufwändiges Kunstwerk.

Hier in der Region sind Anlehnbügel im öffentlichen Verkehrsraum ja generell noch eine extreme Ausnahme; auch sonst gibt es z. B. an den Einkaufsmärkten oder auch Behörden meist nur bescheuerte, uralte Felgenklemmer – oder einfach: gar nix. Wie z. B. am Pirmasenser Rathaus oder dem Ordnungsamt. Die, die am neuen Kaufland in Pirmasens aufgestellt wurden, sind meiner Ansicht nach völlig untauglich (sind aber vom ADFC „zertifiziert“ worden). Bei meinen letzten beiden Gesprächen musste ich mein Rad an der Straßenlaterne bzw. am metallenen Baumschutz anschließen. Immerhin wurden auch am kürzlich erst neu eröffneten Netto-Markt in Rieschweiler-Mühlbach endlich auch mal mehrere ordentliche Anlehnbügel aufgestellt.

Aber zurück ins Saarland. Das Trio von der Seite:

Prinzipiell sind die Dinger schon einmal ganz brauchbar – allerdings dürften sie gerne ein Stückchen höher sein. Da ich meine Räder in aller Regel mit dem Sattel anlehne, benötige ich dafür dann hin und wieder etwas mehr Platz.

Hersteller der drei Bügel ist laut Aufkleber die Firma Veller:

Auf der angegeben Internetseite des Unternehmens findet man noch viele weitere Variationen von interessanten Abstellanlagen. Die sich auch prinzipiell prima dazu eignen würden, hier und da Falschparker von Gehwegen fernzuhalten.

9 Gedanken zu „Schicke Anlehnbügel in Altheim“

  1. Bei den großen Ketten gibt es Standards. Dank der Großstädter gehören bei vielen Ketten auch Fahrradbügel dazu. Da macht sich vermutlich keiner die Mühe, zu überlegen, ob bei einem Laden in der Pfalz überhaupt eine Nachfrage besteht. Aber irgendwann werden auch die Nutzer generieren ….

    1. Bei den großen Ketten gibt es Standards.

      Diese „großen Ketten“ gibt es auch auf dem Land. Einheitliche Standards sehe ich da in Sachen Abstellanlagen keine. Und wenn – wie bei Kaufland – eher die (vom ADFC zertifizierten) Falschen. Zuletzt bekam ich übrigens einen kleinen Schock, als ich bei Youtube in einem Dashcam-Video aus Australien einen ALDI-Discounter erkannte.

      Dank der Großstädter

      Im Gegenteil; es sind nämlich in aller Regel (BWL „studiert“ habende) Großstädter, die entscheiden, dass „auf dem Land“ weiterhin Felgenbieger ausreichend seien. 😛

      …ob bei einem Laden in der Pfalz überhaupt eine Nachfrage besteht.

      Womit mir wieder beim kapitalistischen Henne-Ei-Problem angelangt wären: Bestimmt die „Nachfrage“ das „Angebot“ oder das „Angebot“ die „Nachfrage“…!?

  2. Diese Standards setzen die dann bei Neubauten und Modernisierungen um. Wobei ich nicht weiß, ob die jeweiligen regionalen Einheiten in Details einheitliche Standards haben. Also hier setzen ALDI und LIDL in o. g. Fällen immer Fahrradbügel vor ihre Läden. Bei anderen Ketten ist man da noch nicht so weit.

    Was ist der Zusammenhang zu ALDI in Australien?

    1. Ja, die wenigen Bügel sieht man hier in der Gegend quasi ausschließlich vor Neubauten. Aber selbst bei einer grundlegenden Modernisierung gibt es (trotz vorheriger Bitte) bei Penny keine Bügel.

      Ich war einfach schockiert, dass das Unternehmen ALDI sich auch in Australien breitgemacht hat. 😉 Kapitalismus im Endstadium; irgendwann gibt es nur noch den einen, großen Konzern, der die Welt regiert…

      1. Penny und Netto scheinen das Thema noch zu verschlafen, so mein Eindruck. Da ALDI und LIDL die Markführer sind, wird sich auch Penny irgendwann daran orientieren und nachziehen. Schwieriger ist die Lage bei den häufig Eigentümer geführten REWE und EDEKA-Läden. Da findet man beim Neubau von überdachten Radabstellplätzen bis Murks alles. Aber ich habe da vor allem den Blick auf westdeutsche Klein- und Großstädte.

        Wäre es nicht kosequenter, bei der antikapitalistischen Haltung, diese Ketten alle zu meiden? Dann blieben einem selbst in den Großstädten nur ein paar alteingesessene Bioläden und hippe Unverpackt-Läden und in den Vororten einzelne Hofläden. Aber der Einkauf in Hofladen, so nicht im die Ecke oder auf dem Weg ist jetzt nicht gerade ökologisch. Genauso wie die Löhne in den Bioläden dem Hörensagen nach deutlich unter denen von ALDI und LIDL liegen. Vielleicht gibt es in den kleinen Dörfern bei euch noch einen „Ihre Kette“ oder so, der zu macht, wenn die Eigentümer in Rente gehen.

        Es wäre übrings begrüßenswert, wenn es noch eine andere Seite gibt, die sich den spezifischen Problemen des Radverkehrs auf dem Land widmet. Ich kenne mit Radeln in West Mecklenburg z. B. nur eine Seite für Ostdeutschland, wenn man die Großstädte Berlin, Dresden und Leipzig mal außen vor lässt.

        1. Penny kann ja, wenn es will (siehe z. B. den Markt in Webenheim). Es wundert mich, warum es gerade bei denen keine Standards gibt. REWE hat zumindest hier in der Region ein relativ einheitliches Abstellsystem.

          Ja klar, ich könnte natürlich auch einfach verhungern. 😉 Den Luxus, mir noch nebenbei ein (vermeintlich) reines Gewissen einzukaufen, kann ich mir jedenfalls nicht leisten… Ich bin auch keiner derjenigen, die meinen, dass man mit „Kaufentscheidungen“ irgendeinen Einfluss auf das Wirtschaftssystem nehmen könnte. Im Kapitalismus wird halt letzten Endes alles (also auch das Gewissen) zur Ware. Aber da wir alle in diesem System gefangen sind, bleibt vor allem Leuten mit geringeren Einkünften da schlicht keine große Wahl. 🙁 Ich bin halt keine grüne Oberstudienrätin mit E-SUV, die regelm. vor dem „BIO“-Markt den Radweg zuparkt… 😈

          Außerdem musst du auf dem Land froh sein, wenn es in deinem Kaff überhaupt noch irgendeinen Lebensmittelladen gibt. Die von dir genannten „Tante-Emma-Läden“ sind auch hier schon seit mindestens 20 Jahren tot.

          Ich finde es auch bedauerlich, dass es so wenige Radverkehrs-Blogger aus ländlicheren Gegenden gibt. Wenn ich hin und wieder Twitter überfliege, sehe ich da auch fast nur Großstädter. Das liegt aber m. E. auch daran, dass die wesentlich drastischeren Verkehrsprobleme in den Großstädten um Welten mehr „Leidensdruck“ erzeugen, sich in irgendeiner Weise zu engagieren. Und darüber im Netz zu berichten. Ich wollte da auch bewusst in eine „Marktlücke“ stoßen. 😉

          1. Marktlücken erschließen als Antikapitalist … 😉

            In Schwarzwaldtälern habe ich den letzten Jahren noch denen einen oder anderen besagter kleinen Läden gesehen. In dem einen oder anderen Dorf soll es ja inzwischen wieder Dorfläden geben, die dann aber nicht mehr von einem Kaufmann geführt werden sondern von Bürgerinitiativen oder der Gemeinde und auch noch ein wenig das verschwundene Dorfgasthaus als Treffpunkt ersetzen sollen. Ob das so ein bisschen akademische Hipster-Träumerei auf dem Land ist oder mittelfristig ein tragfähiges Konzept ist, wird sich zeigen.

            Dann ist die REWE-Regionalgesellschaft bei euch besser aufgestellt beim Thema als die anderen …

            Hier in der Großstadt schließen die letzten Tante-Emma-Läden gerade nach und nach. Wobei die großen Kioske hier vermutlich ein ähnlich umfangreiches Angebot haben dürften, wie einst diese Läden.

          2. Ich habe wohl die Ironie-Tags vergessen. 😉 Wie geschrieben: solange man in diesem System drin ist, hat man ja so oder so keine Alternative. 🙁 Ich verweise da z. B. auf das Che-Guevara-Merchandising – oder den Kleinkünstler Marc-Uwe Kling:

            Ich schreibe kapitalismuskritische Bücher, die sich total gut verkaufen.

            Dessen Idee zu seinem (kapitalismuskritischen) Buch „QualityLand“ ja von HBO gekauft wurde – und als Serie erscheinen soll. 😉

            Nö, REWE bietet ja keine Bügel an, sondern so eine doofe Mischung aus Anlehn- und Felgenklemmdingens (siehe den verlinkten Penny-Beitrag). REWE selbst ist hier in der Ecke allerdings auch kaum (mehr) vertreten; man überlässt das Gebiet überwiegend der vor einiger Zeit einverleibten, heimischen WASGAU-AG.

            Ansonsten: Ja, solche Geschichten wie z. B. die „Dorfläden“ kenne ich; habe aber hier noch kein verwirklichtes Projekt gesehen. Das wird sich in diesem System aber alles nicht halten. Das ist (wie ein Großteil dessen, was unter „Verkehrspolitik“ läuft) letztlich auch nur ein Herumdoktern an Symptomen.

  3. Ich hatte den Witz schon verstanden. 🙂

    Mal sehen, wie lang sich die Unverpackt-Läden halten. Als ich mal in dem einen hier war, sah ich doch arg viel Einwegverpackung … Aber wenn man das ausblendet, kann man sich zu Hause wohl fühlen.

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