Eine (fast) perfekte Umleitung

Gestern war ich das erste Mal seit Beginn der Vollsperrung der L 486 zwischen dem Pirmasenser Stadtteil Ruhbank und Lemberg auf der Alten Landstraße unterwegs; ich befuhr die Route allerdings von der Haupt- und Talstraße kommend. Unterwegs fielen mir dann am Abzweig „In der Gutenbach“ zwei mit den Sinnbildern für Radverkehr und Bis-25 km/h-Kfz versehene Zeichen 422 auf. So wurden dann doch ein paar Erwartungen geweckt, dass hier tatsächlich mal vom LBM eine den Anforderungen des § 45 StVO genügende Umleitung eingerichtet worden sein könnte. Also nahm ich am heutigen Feiertag mal wieder die große Kamera mit, um mir das mal genauer anzuschauen.

Ein kleinerer Makel findet sich bereits direkt am Kreisel Altenwoogsmühle – denn auf der bereits vor einiger Zeit aufgestellten Info-Tafel findet sich nur ein Verbot für Fahrzeuge aller Art. Ein Foto davon findet man in diesem Rheinpfalz-Artikel. Ob es vorab weitere Umleitungsskizzen gibt, weiß ich nicht. Das ist aber nicht besonders tragisch, denn die eigentliche Absperrung befindet sich in Sichtweite – und an dieser wurde tatsächlich mal eine Freigabe für den Radverkehr eingerichtet:

Okay, die beiden Freigabe-Zeichen hätten unter das Verbot für Fahrzeuge aller Art gehört, aber da war halt auch nicht mehr viel Platz. Hinter der Rechtskurve gibt es vor der Einmündung „Am Soll“ ein Zeichen 422:

Macht richtig Spaß, diese ansonsten recht stark befahrene Landesstraße ohne großen Verkehr hochzufahren. Man erreicht dann bald die Baustelle hinter der Abzweigung „In der Gutenbach“ bzw. dem Gutenbacher Weg:

Zu den weiteren Fotos kann ich die ein oder andere kleine Anekdote erzählen. Bevor ich das folgende Foto vom Sträßchen durch die dortigen Wochenend-Grundstücke machen konnte, kam von oben ein Radfahrer auf dem Gehweg angefahren. Anschließend hielt ein junger Mann auf seinem Motorrad vor der Absperrung an. Er wartete auf seinen (ein lautes Knatterrad fahrenden) Kumpel, um dann ihm folgend an der Absperrung vorbei über die abgefräste Asphaltdecke die L 486 hochzufahren. Jedenfalls: Man hat sogar ein auf die Rumpelstrecke hinweisendes Gefahrzeichen und 30 km/h angeordnet:

Am Ende des schmalen Sträßchens vor der Einmündung in die „Alte Landstraße“ gibt es wieder ein Umleitungsschild:

Dies gilt auch für die Gegenrichtung – wobei hier Ortskundige dann natürlich eher geradeaus weiterfahren:

Während ich an der Ecke hier fotografierte, waren vier Pkw unterwegs. Wie z. B. der  Kollege hier auf dem Weg in Richtung Ruhbank, wieder weisen Gefahrzeichen auf die dort wirklich sehr schlechte Fahrbahn hin:

Als ich die Strecke gestern befuhr, war an der Stelle des folgenden Fotos (am Ende der Siedlung) vor mir ein wohl in dieser Straße lebendes Ehepaar mit einem Hund unterwegs, die mit dem starken Ausweichverkehr nicht einverstanden waren. Bei der Vorbeifahrt grüßten mich beide freundlich. Da aber grade in dem Moment wieder zwei Pkw auftauchten, meinte die Frau: „Der wohnt nicht hier. Und der auch nicht.“ Sie machten daher auch nicht übertrieben schnell Platz, weshalb die beiden Autofahrer kurz anhalten mussten. Als ich heute die Fotos machte, kam von oben grade ein Streifenwagen vorbeigefahren. Da hab ich der örtlichen Polizei mit meinem Kommentar gestern vielleicht doch ein wenig Unrecht getan? Denn heute Vormittag wurde auch eine Pressemeldung zu diesem Thema veröffentlicht. Jedenfalls dürfen ab hier nur noch Radfahrer und „Langsam-Kfz“ weiter:

Für Anlieger, die zu den weiter unten ansässigen Ausflugslokalen möchten, ist die Beschilderung allerdings dann doch etwas doof, denn die müssten hier umdrehen und die offizielle Umleitung benutzen. Denn oben am Abzweig von der L 486 hat sich an der Beschilderung nichts geändert, hier sieht es – und das ist für mich völlig unverständlich – immer noch so aus wie auf dem am 11. September aufgenommenen Foto:

Daher an dieser Stelle: vielen Dank, Herr Bürgermeister Maas und auch einmal mehr ein herzliches Dankeschön an die liebe Straßenverkehrsbehörde, dass Sie trotz meines zeitigen Hinweises vom 18. September meiner Bitte nicht nachkommen wollten, endlich die erste Pirmasenser Anliegerstraße für Radfahrer freizugeben. Vermutlich war die Stadtverwaltung auch in die Planung der Baustelle und der Umleitungen mit involviert. So leitet halt derzeit ein offizielles Umleitungsschild Radfahrer in eine für Radfahrer verbotene Straße:

Die Anekdote zu diesem Foto: vor mir hielt ein mit einem Mann und einer Frau besetzter Pkw an. Der am Lenkrad sitzende Mann fragte mich, wo denn hier die „kurze Strecke“ nach Lemberg sei? Ich empfahl ihm, lieber die offizielle Umleitung zu nehmen, schließlich würde die Polizei dort grade kontrollieren (was ja nicht einmal gelogen war). Das nervte die beiden ein wenig, aber sie bedankten sich und fuhren dann doch brav in Richtung Stadtmitte / B 10.

Die Stadtverwaltung Pirmasens stellt hier jedenfalls einmal mehr klar, dass ihr alles, was mit dem Thema Radverkehr zu tun hat, meilenweit am Hintern vorbeigeht. Was ich beim 4. Runden Tisch zum Verkehrsentwicklungsplan einmal mehr mit deutlichen Worten bemängeln werde.

Der LBM Kaiserslautern und ggf. auch die ebenfalls mit involvierte Kreisverwaltung Südwestpfalz haben sich hier aber dann tatsächlich mal ein Lob(!) verdient – denn die können nix dafür, dass die Stadtverwaltung hier offenkundig zu faul war, die Alte Landstraße endlich für den Radverkehr (und langsamere Kfz) freizugeben.

Okay, ein paar Details könnte man auch hier noch bemängeln. Aber ich bin ehrlich gesagt froh, nach langer Zeit mal wieder einen Beitrag verfassen zu können, in welchem ich mich mal nicht in größerem Maße aufregen muss. 😉

2 Gedanken zu „Eine (fast) perfekte Umleitung“

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