Das Handtuch-Wegelchen auf der Atzel

Atzel Wegbreite

Die Atzel ist ein Stadtteil der Sickingenstadt Landstuhl. Entlang der L 470 in Richtung Martinshöhe kann man ein weiteres Beispiel für einen (vermeintlich) benutzungspflichtig beschilderten Geh- und Radweg finden, der allerdings kein Solcher ist, weil er anschließend die Fahrbahn verlässt. Hinzu kommt, dass es sich hier um eins der schmalsten Wegelchen handelt, die mir bekannt sind. Unter Radfahrern nennt man jene gerne (wegen der geringen Breite) „Handtücher“. Das Sahnehäubchen stellt das Zeichen 244 der bis 1992 gültigen StVO dar, welches eigentlich schon vor mind. 27 Jahren gegen ein neues Gemeinsamer Geh- und Radweg hätte ausgetauscht werden müssen.

Beginnen wir kurz hinter einer der Ausfahrten vom US-Hospital Landstuhl, wo der Weg wenige Meter weiter an einer Querungshilfe beginnt. Wie man an der erst weiter hinten folgenden Ortstafel sieht, befinden wir uns noch innerhalb der geschlossenen Ortschaft, es ist 70 km/h und Überholverbot angeordnet. Der Weg müsste auf den ersten Metern also mindestens (nach der VwV zu § 2 StVO) 2,5 m breit sein. Was wegen der sich massiv eingezäunt habenden US-Amerikaner aber auch nur schwer möglich ist.

Atzel Beginn

Am Stromkasten stellte ich mein 1,93 m langes MTB mal kurz quer, um einen Maßstab für die Breite des Handtuchs zu haben. In der Realität dürfte das Wegelchen grandiose 1,50 bis 1,60 m schmal sein.

Atzel Wegbreite

Werfen wir vorher noch schnell einen Blick zurück in Richtung Querungshilfe. Den Parallelweg rechts kann man als eigenen Verkehrsweg (in Richtung Beethovenstraße) betrachten. Um das Ende auszuschildern, hat man immerhin ein modernes Gemeinsamer Geh- und Radweg auftreiben können. Das Problem dabei: In der Gegenrichtung ist das gar kein Gemeinsamer Geh- und Radweg. Aber dazu später mehr.

Atzel Ende Ost

Ein Stückchen weiter teilt sich der Weg dann plötzlich auf; rechts geht es (ohne Wegweiser und ohne Verkehrszeichen) auf ebenfalls schmaler Piste parallel zur A 62 in Richtung der Haupteinfahrt des „Landstuhl Regional Medical Center“. Folgen wir der L 470, engen Leitplanken und Geländer den eh schon schmalen Weg optisch noch zusätzlich ein.

Atzel Abzweig

Mein fast 2 m langes Rad zeigt, wie breit der Weg gem. der Verwaltungsvorschrift zu § 2 StVO mindestens sein müsste. Man könnte wieder mal einen blaustrophobischen Anfall kriegen. Mit etwas Phantasie würde ein gewitzter Sachbearbeiter hier sicherlich auch argumentieren, dass die Grünstreifen „seitliche Sicherheitsräume“ seien, die somit dem Radweg zuzurechnen wären…

Atzel eingesperrt

Witzigerweise wird der Weg anschließend auf der Überführung über die A 62 etwas breiter; sonst ist das an solchen „Engstellen“ ja eher umgekehrt.

Anschließend wird man aber nicht zurück auf die Fahrbahn geführt, denn das schmale Wegelchen verlässt plötzlich die Landesstraße nach rechts.

Atzel Abschied

Dieses mündet dann in die Sackgasse vor den Sportplätzen am „Stadion Rothenborn“ ein.

Atzel Ende West

Wie man auf dem Foto sieht, steht dort auch kein Verkehrszeichenpfosten. Da es sich somit um einen eigenen (wenn auch recht schmalen) Verkehrsweg handelt, dürfte man da m. E. auch mit dem Motorrad oder Quad hochfahren. 😉 Es ist aber auch ausdrücklich kein Gemeinsamer Geh- und Radweg.

In Richtung Martinshöhe müssen wir dann halt noch ca. 350 m weit über die Sportplatz-Zufahrt fahren, ehe wir (nachdem wir dem vom Reha-Zentrum kommenden Verkehr Vorfahrt gewährt haben) die L 470 wieder erreichen. In der Gegenrichtung ist das Wegelchen natürlich nicht benutzungspflichtig, man findet es als Ortsfremder ja erst gar nicht.

Ich weiß gar nicht mehr, ob ich dieses Wegelchen der Kreisverwaltung Kaiserslautern irgendwann mal gemeldet hatte? Insgeheim hofft man ja trotz aller Rückschläge und Enttäuschungen, dass sowas auch mal von ganz alleine geht. Scheinbar nicht. Die von mir monierte Geistergehwegradelpflicht bei 7,4 % Gefälle besteht nämlich bspw. auch immer noch.

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