Radwege-Quantität

Diagramm

Die vergangenen Tage habe ich mir mal die Mühe gemacht, eine Liste des südwestpfälzischen klassifizierten Straßennetzes (Bundes-, Landes- und Kreisstraßen) zu erfassen und dabei die Streckenlängen mit benutzungspflichtigen, freigegebenen und eigenständigen Radwegeabschnitten abzugleichen. Hinzugenommen habe ich auch das entsprechende Straßennetz der kreisfreien Städte Pirmasens und Zweibrücken. Einige wenige, besonders unbedeutende Kreisstraßen zu meist einsamen und abgelegenen Gehöften habe ich nicht in die Liste mit aufgenommen. Wer sich für die Zahlen interessiert, kann sich gerne das pdf herunterladen.

Sofern sich Überschneidungen hinsichtlich Benutzungspflichten (Zeichen 240 StVO oder Zeichen 241 StVO; das Zeichen 237 StVO existiert hier in der Region quasi gar nicht) in die eine und Gehweg-Freigaben (Zeichen 239 StVO ) in die andere Richtung ergaben, wurde die Schwerwiegendere erfasst.

Eigenständige (oder unabhängige) Radwege sind Wege, die im wesentlichen zwar einer konkreten Straße folgen und asphaltiert sind, aber auch in größerem Abstand (durchaus mehr als hundert Meter; siehe Münchweiler – Hinterweidenthal), auf eigener Trasse verlaufen, in den meisten Fällen auf der jeweils anderen Talseite. Jene sind meist auch aufgrund eigener Zufahrten (durch Gemeindestraßen) grundsätzlich nicht benutzungspflichtig und meist per Zeichen 250 StVO  oder Zeichen 260 StVO freigegeben. Berücksichtigt wurden nur eigene Außerorts-Wege (also ohne die Ortsdurchfahrten auf meist ruhigeren Gemeindestraßen). Wege dieser Art können aber auch direkt eine Straße begleiten, ohne blau beschildert zu sein (z. B. bei Herschberg oder Weselberg). Paradebeispiel eines eigenständigen Weges ist der Wieslauter-Radweg zwischen Hinterweidenthal und Wissembourg im Elsass.

Einige wenige Wege (z. B. bei Horbach, Contwig), die zwar mit Zeichen 240 StVO beschildert sind, aber wegen ihres anschließend teils größeren räumlichen Abstands nicht (mehr) straßenbegleitend sind, habe ich den eigenständigen Wegen zugeschlagen.

Die Länge dieses von Straßen unahängigen Wegenetzes beträgt immerhin stolze 121,8 substituierende Kilometer zum eigentlichen Straßennetz. Nicht mitgezählt wurden die Wege, die sich keiner verkehrlichen Straßenroute zuordnen lassen und dabei völlig eigene Verbindungen ermöglichen (oft nicht ausdrücklich freigegebene Wirtschaftswege).

Gesperrte Straßen (als Kraftfahrstraße oder per Zeichen 254 StVO) gibt es in der Region glücklicherweise nur zwei: Die L 600 bei Pirmasens (5,5 km) und die B 10 zwischen Höheischweiler und dem Kreis Südliche Weinstraße östlich von Wilgartswiesen. An jener 30,5 Kilometer langen Straße verlaufen jedoch einige eigenständige Parallelwege, die insgesamt 13,2 km lang sind. Die Autobahnen 8 und 62 blieben unberücksichtigt.

Übrig bleiben dann die Straßen ohne Radwege. Und jene bilden den mit Abstand größten Teil! Von den 776,9 Kilometern (abzgl. der 36 gesperrten km) sind 560,6 gänzlich frei von Radwegen, dort gibt es (von nicht erfassten Schotter-Radwegen oder innerörtlichen Straßen abgesehen) keine Alternative zur Fahrbahnnutzung.

Fazit

In der Region geht man eigentlich einen richtigen, intelligenten Weg: Man verzichtet tendenziell eher auf die Anlage von straßenbegleitenden Wegen, sondern nutzt eigenständige Routen (oft über ursprüngliche Wirtschaftswege) etwas abseits des motorisierten Verkehrs – was touristisch auch meist wesentlich reizvoller ist. Schöner Nebeneffekt: Es bleibt immer dem Radfahrer überlassen, welchen Verkehrsweg er wählt.

Eins wird auch deutlich: Die Fahrbahnnutzung stellt für den durchschnittlichen Touren-Radfahrer auch quantitativ den absoluten Normalfall dar! Entlang der Fahrbahnen aller klassifizierten Straßen existieren auf rund 3 von 4 Kilometern überhaupt gar keine alternativen Radwege! Dies verdeutlicht dann auch, wie unverhältnismäßig einem dann diese mickrigen 6 % vorkommen, die der erfahrene Radfahrer dann hin und wieder auf benutzungspflichtigen Wegen zurückzulegen hat. Sie sind ein Ärgernis; eine lästige Abweichung von der Norm. Bei einem Vielfahrer wie mir kommt das (die Rennrad-Kilometer betrachtet) mit den rund 90 % auf freier Fahrbahn zurückgelegten Kilometern bestimmt auch vom Bauchgefühl sehr gut hin; umso mehr nerven dann grade diese überflüssigen „blauen“ Abschnitte.

Dort muss man dann für ein paar hundert Meter von der Fahrbahn runter auf eine oftmals sehr schmale Piste, dabei auf Fußgänger, Hunde etc. und andere Radler achten, an Einmündungen dem motorisierten Verkehr Vorfahrt gewähren, vielleicht noch Bettelampeln drücken – um am Ende dann doch wieder auf die Fahrbahn aufzufahren. Weil das Land (glücklicherweise) nicht mehr Geld für den Weiterbau auftreiben konnte…

Aber man soll ja dankbar sein; schließlich dienen solche Wege ja einzig und allein nur dem Schutz des unmündigen Bürgers…! 😛

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