Radweg-Ausbau bei Hohenecken

Hohenecken

Vergangenen Oktober hatte ich einen Beitrag zum „Hoheneckener Drecksradweg“ verfasst und darin auch die Frage gestellt, wann und wie man diesen Stummel wohl verlängern wird? Zwischenzeitlich erschien in der Rheinpfalz vom 3. Dezember 2018 ein Artikel zum Ausbauvorhaben der Stadt Kaiserslautern, welches ab April 2019 verwirklicht werden soll. Diese hat auch einige Informationen und Baupläne auf ihrer Internetseite zur Verfügung gestellt. Wesentliches Merkmal wird sein, dass einer der beiden Richtungsfahrstreifen der B 270 in Richtung Vogelweh (Kaiserslautern) mittels Leitplanke abgetrennt und darauf zukünftig ein Geh- und Radweg (für beide Richtungen) verlaufen wird.

Richtung Hohenecken / Pirmasens

Ich persönlich halte davon wenig bis gar nichts. Ich darf dort – die Anordnung einer linksseitigen, innerörtlichen Benutzungspflicht per Gemeinsamer Geh- und Radweg wird wohl unvermeidlich sein – also zukünftig in Richtung Pirmasens wohl nicht mehr einfach wie bisher über die breite, zwei Richtungsfahrstreifen umfassende Fahrbahn der B 270 fahren, sondern soll wegen eines 1,8 km langen Abschnitts mehrfach, gar unter Zuhilfenahme von Bettelampeln die Fahrbahnen queren und Zwangsgeistergehwegradeln. Dieser Geh- und Radweg wird nämlich auch überwiegend innerhalb der geschlossenen Ortschaft der Stadt Kaiserslautern liegen – daher dürfte dort eigentlich gemäß der VwV zu § 2 StVO, Rn. 33 aber gar keine linksseitige Radwegbenutzungspflicht angeordnet werden:

Die Benutzung von in Fahrtrichtung links angelegten Radwegen in Gegenrichtung ist insbesondere innerhalb geschlossener Ortschaften mit besonderen Gefahren verbunden und soll deshalb grundsätzlich nicht angeordnet werden.

Die Stadt Kaiserslautern ahnt aber wohl schon, dass das Ganze nicht so wirklich überzeugend ist:

Die Straße ist zwar formal innerorts, ist jedoch nicht angebaut und weist den Charakter einer freien Strecke auf, mit Fahrgeschwindigkeiten jenseits der 50 Km/h. Der Radverkehr im Mischverkehr auf der Fahrbahn ist unter diesen Rahmenbedingungen unverträglich.

Also ich finde das dort sehr verträglich – weil die Verkehrsstärke absolut keinen nennenswerten Einfluss auf das Unfallrisiko hat. Es gibt auch kein „formales“ innerorts oder außerorts, liebe Stadtverwaltung Kaiserslautern. Entscheidend ist allein die Ortstafel. Und Verstöße gegen Tempo 50 dienen auch nicht als Grundlage, um Radfahrern die Benutzung sicherer, gar zweistreifiger Richtungsfahrbahnen zu verbieten – und sie innerorts auf linksseitige Wege zu zwingen!

Besonders übel stößt mir auf, dass wohl der besonders schmale, die Mindestbreite 2,50 m deutlich verfehlende und eben ständig stark verdreckte Altbestand laut der vorliegenden Pläne gar nicht verbreitert werden soll!

Richtung Vogelweh / Kaiserslautern

Auch rechtsseitig in Richtung Kaiserslautern sehe ich hier persönlich nur Nachteile. So muss ich schon vor der Einmündung der Landolfstraße auf den Weg wechseln und anschließend eine rot markierte Furt überqueren. Hoffentlich ohne kleine Vorfahrt gewähren. Das immer noch eine Fahrbahnbenutzungspflicht für Fußgänger bewirkende Radweg wird man wohl spätestens dann gegen ein Gemeinsamer Geh- und Radweg austauschen?

Ende Hohenecken

Wo früher 50 (von mir aus auch 60) km/h fahrende Autos einen problemlos und sicher überholten, muss nun unbedingt der rechte Fahrstreifen eingezogen werden und eine Leitplanke gebaut werden, die den Raum natürlich einengt. Dort kommen mir auf dem nur 2,5 m schmalen Weg nun stattdessen Geisterradler und Fußgänger entgegen. Zusätzlich ist noch eine aufwändige, verschwenkte Querung an der 4th Avenue vorgesehen, an der man wohl (lt. Planung fehlt dort eine Furt) auf jeden Fall per Vorfahrt gewähren sein Vorfahrtrecht verlieren wird. Die (sowieso verbarrikadierte) 3rd Avenue sowie den ebenfalls abgeriegelten Florida Loop darf man dann wieder über eine Furt überqueren. Vor dem „Kleeblatt“ wird dann die erwähnte Bettelampel installiert. Immerhin: Radfahrer in Richtung Einsiedlerhof müssen so nicht mehr den Bogen über das Kleeblatt fahren, sondern können direkt nach links (als Geisterradler) zur Pariser Straße fahren, wo sie dann aber erneut per Bettelampel die Fahrbahn queren müssten. Das wiederum wird aber wohl die Geisterradler-Quote auf dem folgenden Radfahrstreifen bzw. Geh- und Radweg sicherlich ein wenig in die Höhe treiben. Ich werde da auf der Fahrbahn den Bogen fahrend wohl garantiert schneller sein.

Benutzungspflicht? Nein Danke!

Damit man mich nicht falsch versteht: Ja, ich finde es toll, dass Fußgängern, Rentnern, Kindern und anderen ängstlicheren Menschen nun endlich überhaupt eine Alternative für die sicher nicht als „angenehm“ empfundene Fahrbahn angeboten wird. Mir geht es ja bei meiner Kritik um die regelmäßig per Gemeinsamer Geh- und Radweg angeordnete Pflicht, derartige Wege benutzen zu müssen, obwohl ich mit dem Befahren derartiger Straßen keinerlei Probleme habe!

Ich würde eine Benutzungspflicht so oder so abstreiten, weil der Weg ja baulich von der Fahrbahn abgetrennt wird. Bei Unbenutzbarkeit (z. B. eben Scherben, Dreck oder Eis) hätte ich gar keine Möglichkeit mehr, einfach auf die Fahrbahn zu wechseln. Außerdem spricht der beabsichtigte Vorfahrtraub an der 4th Avenue dafür, dass dies kein straßenbegleitender Radweg werden wird.

Mir persönlich hätte es um Welten besser gefallen, wenn man hier den großzügig dimensionierten Fahrbahnquerschnitt einfach gänzlich anders aufgeteilt hätte – und zwar mittels (breiter) Schutz- oder Radfahrstreifen in beiden Fahrtrichtungen! Stattdessen muss es wieder einseitiger Zweirichtungs-Schrott sein. Naja, vielleicht lässt man das mit den blauen Schildern ja doch und malt stattdessen ein paar Männchen und Fahrräder auf den Boden.

Folgebeiträge

„Protected bike lane“ an der Vogelweh

„Protected pedestrian lane“?

2 Gedanken zu „Radweg-Ausbau bei Hohenecken“

  1. Zufrieden macht mich die Planung auch nicht, da hast du ganz recht. Die Stadt sollte lieber die Strecke vom Kleeblatt nach Norden anschauen und etwas unternehmen – da ist nämlich entlang der B270 der Weg Richtung Siegelbach für Radfahrer gesperrt, _das_ wäre eine wichtige Maßnahme zur Förderung des Radverkehrs!

    1. Ist man dort denn immer noch nicht fertig…!? Warum auch. Schließlich hatte das VwG Neustadt die Sperrung ja damals als rechtmäßig abgeurteilt. Also kann man sich mit dem Ausbau dieses Offroad-Waldwegs ja weiter Zeit lassen. Allein dieser absurde Fall (Straßensperrung und keine Alternative) zeigt, dass der Stadt Kaiserslautern (als auch dem LBM) die „Radverkehrsförderung“ in Wahrheit am blanken Hintern vorbeigeht.

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