Aus dem Polizeibericht (Teil 10)

Bei Dierbach fliegt ein 58-jähriger wegen zu fest gezogener Bremse über den Lenker. Ein Mountainbiker macht eine Tour und lässt sein Auto unterhalb des Eschkopfs mit offener Tür auf dem Parkplatz stehen. In Edenkoben wird eine Radfahrerin von einem rücksichtslos die Tür aufreißenden Autofahrer verletzt. Beim Linksabbiegen von einem „Schutzstreifen“ wird in Landau ein 92-jähriger angefahren. Ein 9-jähriges Kind wird ebenfalls in Landau in einer „Mini-Spielstraße“ auch Opfer einer sehr fragwürdigen Gestaltung des Verkehrsraums. In Germersheim stößt ein betrunkener 60-jähriger mit einem geparkten Auto zusammen.

Über den Lenker abgestiegen

Pressemeldung der PD Landau vom 22. Oktober 2018:

Dierbach (ots) – Am Samstagmittag kam um 14.00 Uhr ein 58jähriger Radfahrer auf dem befestigten Wirtschaftsweg in Richtung Langehohl in Dierbach zu Fall, als er sich wegen einem kreuzenden Wohnmobil wohl erschrak und in die Bremsen griff. Hierbei überschlug er sich und fiel auf den Boden, wobei er Prellungen und Schürfwunden erlitt. Er kam mit dem DRK ins Krankenhaus.

Für mich immer wieder erstaunlich, wie viele Leute über den Lenker fliegen, weil sie kein richtiges Gespür für die eigenen Bremsen haben. Bei neuen Rädern kann ich das noch irgendwie verstehen, ist mir sogar selber mal mit meinem damals ganz neuen Rennrad passiert. Ich kam aber wie eine Katze auf den eigenen Beinen zum stehen. 😉

MTBer lässt Auto mit offener Tür stehen

Pressemeldung der PD Pirmasens vom 21. Oktober 2018:

Wilgartswiesen (ots) – Auf einem Waldparkplatz im Bereich der B48 nach Iggelbach meldeten Spaziergänger einen Pkw dessen Fahrertür offen stehen würde. Da weit und breit niemand zu sehen wurde die Polizei über die merkwürdige Situation informiert. Ermittlungen ergaben, dass der Fahrer des Pkw vergessen hatte die Tür an seinem Pkw zu schließen, als er von dort aus zu einer Mountainbike-Tour durch den Pfälzer Wald startete. Glücklicherweise blieb dieser Fauxpas ohne Folgen für ihn.

Siehste mal, im Pfälzerwald (wird übrigens zusammengeschrieben…) ist die Welt noch in Ordnung! Da kannste dein Auto auf einem einsamen Waldparkplatz abstellen, die Tür sperrangelweit auflassen, eine Tour mit dem Mountainbike drehen – und dein Auto steht am Ende der Tour noch genauso da, wie du es abgestellt hast! 😉 Ich vermute mal, dass die Stelle „An den drei Steinen“ unterhalb des Eschkopfs gemeint ist.

Begünstigend dafür, dass das Auto nicht gestohlen wurde, war allerdings auch die Tatsache, dass dort oben wegen der Vollsperrung im Wellbachtal derzeit nicht sonderlich viel Verkehr herrscht.

Dooring-Unfall in Edenkoben

Pressemeldung der PD Landau vom 20. Oktober 2018:

Edenkoben (ots) – Am Freitag, den 19.10.18, gegen 12.25 Uhr hielt ein 60-jähriger Pkw-Fahrer aus Edenkoben in der Bahnhofstraße in Edenkoben am Fahrbahnrand an und öffnete seine Fahrertür. Hierbei übersah er eine 41-jährige Radfahrerin aus Venningen, die gerade an seinem Pkw vorbeifahren wollte. Die Radfahrerin stieß gegen die sich öffnende Fahrertür und stürzte. Sie klagte nach dem Sturz über Schmerzen an Bein, Nacken und Rücken und wurde durch den ebenfalls verständigten Rettungsdienst ins Krankenhaus verbracht. Am Fahrrad und dem Pkw entstand leichter Sachschaden in Höhe von ca. 1000 Euro.

Wenn der Herr da plötzlich angehalten hat, hat er die Radfahrerin sicher kurz vorher selber überholt. Trotzdem die Tür aufzureißen, ist höchst rücksichtslos! Wegen der abstrusen Rechtsprechung zu diesem Thema kann man Radfahrern weiterhin nur empfehlen, ausreichenden Abstand zu geparkten oder haltenden Fahrzeugen zu halten. In Edenkoben wurde vor einiger Zeit schon einmal ein Radfahrer „gedoort„! Was auch mit der Enge typischer Straßen in Weinstraßen-Dörfern zu tun haben könnte.

Beim Linksabbiegen angefahren

Pressemeldung der PD Landau vom 19. Oktober 2018:

Landau (ots) – Bei einem Verkehrsunfall wurde am 16.10.18, gg. 15.00h in Landau in der Annweiler Straße ein 92-jähriger Radfahrer verletzt. Dieser befuhr die Annweiler Straße in Richtung Stadtmitte und wollte auf das Gelände des Aldi-Marktes einbiegen. Dies zeigte er durch Handzeichen an. Ein nachfolgender 83-jähriger Pkw-Fahrer übersah wohl die Handzeichen und den bereits eingeleiteten Abbiegevorgang des Radfahrers und berührte das Fahrrad. Der Radfahrer stürzte und erlitt Verletzungen. Diese mussten im Krankenhaus behandelt werden.

Erst einmal Respekt dafür, dass es Menschen gibt, die mit 92 körperlich immer noch in der Lage sind, Rad zu fahren! Die Annweilerstraße (wird zusammengeschrieben…) und der dortige „Schutzstreifen“ waren vor einiger Zeit schon einmal Ort eines Unfalls. Ich könnte mir vorstellen, dass der Pkw-Fahrer sich einfach darauf verließ, dass der Radfahrer „in seiner Spur“ bleibt und nicht plötzlich nach links ausschert. Ein weiterer Grund, „Schutzstreifen“ abzulehnen.

Kind in Mini-„Spielstraße“ angefahren

Pressemeldung der PD Landau vom 19. Oktober 2018:

Landau (ots) – Am 17.10.2018, gegen 16.30h ereignete sich in Landau am Obertorplatz ein Verkehrsunfall mit einem 9-jährigen Kind. Das Kind, welches allein mit seinem Fahrrad im verkehrsberuhigten Bereich fuhr, versuchte mit seinem Fahrrad hinter einem an der Einmündung zur Xylanderstraße wartenden Kastenwagen die Fahrbahn zu überqueren. Die von der Xylanderstraße in den verkehrsberuhigten Bereich einfahrenden Pkw-Fahrerin konnte das 9-jährige Kind hinter dem Kastenwagen erst sehr spät wahrnehmen. Es kam auf der Fahrbahn zur Kollision und das Kind stürzte auf die Fahrbahn. Hierbei erlitt dieses Kind Hautabschürfungen am Ellenbogen. Glücklicherweise trug es einen Helm.

Der Kastenwagen konnte wohl wegen des bevorrechtigten Verkehrs den vbB nicht verlassen. Wenn man sich die mapillary-Aufnahme (Fahrtrichtung des Kastenwagens, der das Kind verdeckte) anschaut, kommt bei mir spontan die Frage auf, ob derartige „Mini-vbB“, wie sie die Stadt Landau offenbar an mehreren Stellen eingerichtet hat, überhaupt zulässig sind? In verkehrsberuhigten Bereichen gibt es nämlich eigentlich auch gar keine „Fahrbahn“. Die Verwaltungsvorschriften zu den Zeichen 325.1 und 325.2 schreiben u. a. in der Rn. 1 vor:

Ein verkehrsberuhigter Bereich kann für einzelne Straßen oder Bereiche in Betracht kommen. Die Straßen oder Bereiche dürfen nur von sehr geringem Verkehr frequentiert werden und sie müssen über eine überwiegende Aufenthaltsfunktion verfügen. Solche Straßen oder Bereiche können auch in Tempo 30-Zonen integriert werden.

Diese Straßen am Obertorplatz, die von kurzen vbB’en „unterbrochen“ werden, erwecken auf mich eher nicht den Eindruck, dass jene „von sehr geringem Verkehr“ frequentiert werden würden; im Gegenteil! Dass man es mit diesen Vorschriften wohl allgemein nicht sehr genau nimmt, hat zuletzt auch MartinTriker festgestellt.

Die Autofahrerin war auf jeden Fall bei der Einfahrt in diesen seltsamen Kurz-vbB deutlich zu schnell. Und zum Schluss: den unsachlichen und überflüssigen Spruch mit dem „Helm“ hätte man sich einmal mehr schenken können, stattdessen hätte man dem Kind ja bspw. besserwisserisch vorwerfen können, dass es keine Ellenbogenschoner getragen hat…! Wie man es auch so gerne macht, wenn verunfallte Radfahrer keinen „Helm“ trugen!

Mit 2,25 Promille auf Auto gekracht

Pressemeldung der PD Landau vom 18. Oktober 2018:

Germersheim (ots) – Eine Platzwunde erlitt ein 60 jähriger Radfahrer bei einem Sturz mit seinem Fahrrad am Donnerstagmorgen gegen 0.45 Uhr in Germersheim. Der Radfahrer war in Folge übermäßigen Alkoholkonsums auf ein geparktes Auto aufgefahren und zu Boden gestürzt. Ein Atemalkoholvortest erbrachte ein Ergebnis von 2,25 Promille. Der Mann wurde zur medizinischen Untersuchung in ein Krankenhaus gebracht, wo ihm eine Blutprobe entnommen wurde.

Leider keine Ortsangabe. Spielt bei einer derartigen „Betankung“ wohl aber auch nur eine untergeordnete Rolle.

6 Gedanken zu „Aus dem Polizeibericht (Teil 10)“

  1. Offene Tür:
    würde ich auch 3 Steine vermuten. Die B 48 geht ja gar nicht durch Iggelbach. Durch das oben Parken hat er leider den schönen Iggelheimer Stich verpasst.
    Landau:
    Die bbb sind ja wirklich putzig, war mir so noch nicht aufgefallen. Ich bin ja aber nur selten in LD.
    Die Straße kreuzt da die Fußgängerzone. Vielleicht so besser gelöst als mit durchgehender Straße. (Ich will ja nicht immer meckern).

    1. Iggelheimer Stich

      Iggelbacher. 😉 Stich ist auch ein falscher Ausdruck, weil eine Stichstraße in der Regel eine Sackgasse ist. Für mich ist das die Brandbuche. Die kann er ja durchaus auch im Rahmen seiner Tour hoch- oder runtergefahren sein. Auf jeden Fall witzig. Ich hab (als ich noch ein Auto hatte) auch immer wieder mal Sachen vergessen, wenn ich losgefahren bin (z. B. Trinkflaschen, Satteltaschen, Fahrradcomputer); auch das Abschließen hab ich mal vergessen. Aber die Tür offenlassen…!?

      Zu den Mini-vbB: Halte ich eher nicht so optimal. Es hat hier immerhin zu einem Unfall geführt, auch deshalb, weil dort eben viel zu viel einkalkulierter Verkehr für einen vbB herrscht! Der Fußgängerverkehr muss dort eindeutig die dominierende Verkehrsart sein.

  2. …heim – …bach, wieder nicht aufgepasst.
    Die Rampe bei Iggelbach ist mir unter dem Namen „Iggelbacher Stich“ bekannt. Als „Stich“ bezeichnet man wohl auch allgemein, zumindest in der Pfalz, einen steilen Anstieg. Im Internet finden sich außer dem Iggelbacher weitere Siche.
    Auch der kleine Anstieg auf der L495 von Hauenstein Richtung Lug wird in Hauenstein als „Luger Stich“ bezeichnet.

    1. Ich hatte zumindest das Profil der Brandbuche schon zu „Urzeiten“ bei salite.ch untergebracht.

      Das sind ja keine „offiziellen“ Bezeichnungen; die Sache mit dem „Stich“ hat wohl irgendwer (wohl auch über quaeldich.de) etabliert. Mir gefällt diese Bezeichnung halt einfach nicht so wirklich. Weil ein „Stich“ für mich halt eine Sackgasse ist. Und sie ist auch nicht sonderlich kreativ oder eindeutig. Ist wohl aber auch immer ein regionales Ding; in der Südwestpfalz bezeichnet man einige Anstiege ja bspw. auch als „Halde“, wie z. B. die Bärenhalde zwischen Rodalben und Pirmasens oder die „Trulber Halde“ zwischen Trulben und Obersimten. Pässe werden dann oft mal als Sattel, Hals oder Hohl bezeichnet. Mal schauen, vielleicht betreibe ich demnächst dbzgl. auch mal ein wenig Etymologie. 😉

    2. Zum Mini-vbB wollte ich ja auch noch etwas ergänzen.
      Auf dem Luftbild von der Gegend sieht man auf der Reiterstraße mehr Verkehr, als ich erwartet hatte.
      Wie auf den Mapillary-Aufnahmen zu sehen, sind die Mini-Dings so angelegt, dass sie die Fahrbahn betonen. Meinen alten Kommentar muss ich also etwas ergänzen:
      Grundsätzlich finde ich bei der Kreuzung der Verkehrsarten Auto und Fußgänger die Lösung mit dem Mini-vbB erst mal gut. Die Umsetzung hier in Landau ist jedoch schlecht, da die bauliche Gestaltung dem Charakter eines vbB nicht entspricht.

      1. Grundsätzlich finde ich bei der Kreuzung der Verkehrsarten Auto und Fußgänger die Lösung mit dem Mini-vbB erst mal gut.

        DAS entspricht aber grade nicht der Funktion eines verkehrsberuhigten Bereichs! 😉 Ich frage jedenfalls mal bei der Stadt Landau an, was sie sich dabei gedacht und inwiefern sie hier die VwV berücksichtigt hat.

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