Autofahrer nimmt Mädchen die Vorfahrt

Helmprogaganda Pressemeldung der PD Landau vom 12. Juni 2018:

Eine blutende Lippe und Sachschaden sind das Ergebnis eines Verkehrsunfalls am Montagmittag gegen 15 Uhr im Bereich der Einmündung Königstraße/Paradeplatz in Germersheim. Ein 44 jähriger Autofahrer hatte einem achtjährigen Mädchen, welches mit ihrem Fahrrad unterwegs war, die Vorfahrt genommen. Weiterhin wird geprüft, ob das Mädchen auf der „falschen“ Fahrbahnseite unterwegs war. Der Schaden an den beteiligten Fahrzeugen wird auf zirka 500 EUR geschätzt. Das Mädchen trug zum Unfallzeitpunkt keinen Schutzhelm und hatte Glück, dass es keine schwereren Verletzungen erlitt. Die Polizei Germersheim weist in diesem Zusammenhang nochmals daraufhin, dass das Tragen eines Schutzhelms vor schwerwiegenden Kopfverletzungen schützen kann.

Aufhören, ich kann nicht mehr…! Die Polizei verliert sich in einer Pressemeldung wieder mal in wildesten Spekulationen.

Es gibt keine Helmpflicht, also haben Radfahrer keinen zu tragen; weshalb eine solche Information in einer Pressemeldung bestenfalls noch (unzulässige) kommerzielle Werbung für den Erwerb eines (überflüssigen) Gegenstandes darstellt! Der letzte Satz kommt einmal mehr ohne jeden Beleg daher; insb. im Hinblick auf die vorherige PM zum Unfall bei Mörlheim (schwere Kopfverletzung trotz „Schutzhelm“) in einer besonders zynischen Weise. In vorliegenden Fall hätte ein „Schutzhelm“ schließlich auch die leichte Verletzung an der Lippe nicht verhindert!

Polizisten sollten meiner Ansicht nach auch bitteschön nur noch mit Helm in ihren Streifenwagen steigen. Schließlich verletzen sich mehr Autofahrer am Kopf als Radfahrer! Außerdem könnte ja auch beim nicht seltenen Widerstand gegen Polizeibeamte ein Helm ganz nützlich sein, oder?

11 Gedanken zu „Autofahrer nimmt Mädchen die Vorfahrt“

  1. Sie geben sich größte Mühe, ja keine falschen Anschuldigungen zu machen oder Vermutungen als Tatsachen darzustellen bei den Pressestellen der Polizei. Da verwundert es schon, dass beim Thema Helm alle Hemmungen fallen. Angemessen fände ich soetwas wie: „Fahrradhelme können die Folgen von Stürzen auf den Kopf bei richtiger Tragweise mindern. Auch wenn keine Tragepflicht besteht, empfiehlt die Polizei die Nutzung.“
    Das die Polizei im Rahmen ihrer Aufgaben darauf hinweist, ist ok. Kritisch ist, wenn dass das Hauptthema ist im Bereich Verkehrssicherheitsarbeit oder wie hier, dass ohne Notwendigkeit erwähnt wird. Besonders skurril finde ich, dass die nicht eben mal nachschauen, ob Kinder nur den rechten Gehweg nutzen dürfen. Aus dem Bauch heraus würde ich meinen, dass die Rechtslage ist, dass sie beide Seiten nutzen dürfen.

    So, jetzt darfst du mich wieder einer unerhörlichen Staats- und Obringkeitsnähe bezichtigen. ;o)

    1. Das die Polizei im Rahmen ihrer Aufgaben darauf hinweist, ist ok. Kritisch ist, wenn dass das Hauptthema ist im Bereich Verkehrssicherheitsarbeit oder wie hier, dass ohne Notwendigkeit erwähnt wird.

      Die kann das meinetwegen bei irgendeinem Aktionstag mal ansprechen – aber nicht in quasi jeder einzelnen Pressemeldung. Warum werden hier nicht Autofahrer daran erinnert, sich einfach an die Vorfahrtzeichen zu halten? Dann braucht auch niemand Helme! Und es ist ja wirklich zu einem Schwerpunkt in Sachen Verkehrssicherheit mutiert. Wenn ich überlege – ich durfte Anfang der 90er sogar noch den Fahrradführerschein in der Grundschule ohne Helm machen! Wahnsinn!

      Besonders skurril finde ich, dass die nicht eben mal nachschauen, ob Kinder nur den rechten Gehweg nutzen dürfen. Aus dem Bauch heraus würde ich meinen, dass die Rechtslage ist, dass sie beide Seiten nutzen dürfen.

      Jetzt wo du es sagst – ich hab im ersten Moment gar nicht gecheckt, was die damit meinen. Dass das Mädchen auf dem Gehweg fuhr, geht aus der Meldung für mich nicht hervor, da ja von „Fahrbahnseite“ (und nicht dem linken Gehweg) die Rede ist. Im Alter von 8 Jahren („vollendetes 8. Lebensjahr“ = älter als 7) darf sie ja auch auf der Fahrbahn fahren. Natürlich gilt in dem Fall auch kein Gehweg-Rechtsfahrgebot. Interessant könnte aber § 2 (5) S. 7 sein:

      Vor dem Überqueren einer Fahrbahn müssen die Kinder und die diese begleitende Aufsichtsperson absteigen.

      Gilt der immer – oder nur, wenn Kinder von Aufsichtspersonen begleitet werden? Und hat man als Gehwegverpflichtetes Kind eigentlich überhaupt „Vorfahrt“?

      So, jetzt darfst du mich wieder einer unerhörlichen Staats- und Obringkeitsnähe bezichtigen.

      Irgendwie scheint dich das schwer getroffen zu haben. ;o) So war es jedenfalls nicht gemeint. Ich wollte damit auch zum Ausdruck bringen, dass mich diese künstliche Scheinheiligkeit grade bei verkehrsrechtlichen Themen ziemlich nervt. Also wenn alle immer so tun, als würden sie sich immer an alle geltenden Regeln halten. Es ist allgemein ein Problem mit dieser Bevölkerung, dass sie meines Erachtens viel zu obrigkeitshörig ist. Und sich gerne in Rechthaberei suhlt, vor allem dann, wenn man sich im Besitz eines exklusiven Rechts wähnt. Ich hab eben auch deshalb heute keine Beamtenstelle inne, weil ich eben auch der Ansicht war, dass „Recht“ nicht mal eben vom Himmel fällt – und auch nicht stets unkritisch und unhinterfragt angewandt werden sollte. Das gilt für Beamte, aber auch für den Bürger!

  2. Der Normtext ist da eindeutig. Das Kind muss einen Gehweg nutzen, die Seite ist egal. Es wird nicht bestimmt, auf welcher Seite der Gehweg liegen darf/muss (§ 2 Abs. 5 S. 1 StVO).

    Da die Regelung mit dem Absteigen schon bestand, bevor die Begleiterlaubnis kam, und der beabsichtigte Schutzzweck ja bei unbegleiteter Fahrt erst recht besteht, gilt das Absteigen auch ohne Begleitung.

    Wenn man absteigt, ist man Fußgänger; entsprechende Regeln sind anzuwenden. Hentschel/König/Dauer (§ 2 StVO Rn. 29) hält eine unterschiedliche Betrachtung zu Fußgängern für unerträglich. Auch nicht absteigende Kindern unterliegen den einheitlichen Regelungen mit dem Fußverkehr.

    Ich wollte eigentlich nur andeuten, welche Reaktion ich erwarte.

  3. Germersheim ist Kreis(Haupt-)stadt der linksseitigen Zweirichtungsradwege. Das ist über das ganze Stadtgebiet völlig befreit von Gedanken an StVO oder VwV willkürlich verteilt angeordnet. Da kann sich kein Kraftfahrer mit der falschen Straßenseite herausreden, es ist in Germehrsheim für Rad- und Kraftverkehr völlig unvorher- und nachvollziehbar, was wo angeordnet ist. Es ist immer und überall mit Radverkehr auf der linken Straßenseite zu rechnen.
    Dass die städtischen Behörden zusammen mit der verkehrs(weg)schauenden Polizei dort seit Jahrzehnten Geisterfahrer züchten, und im Erstfall dann mit den Radfahrern Schwarzer-Peter spielen, ist das nächste Kapitel…

    1. Danke für die Warnung! Eine weitere Stadt, um die ich mit dem Rad weiter einen großen Bogen machen werde. Irgendwie gilt ja: je flacher die Gegend, desto schlimmer isses.

      1. Ich würde eher die These vertreten, dass die Qualität der Beschilderung abnimmt, je weiter man draußen auf dem Land ist, was nicht verwundert, haben Großstädte doch kein Personal, dass das neben 5 anderen Sachen machen muss.

        1. Dem würde ich widersprechen wollen. Frankfurt und Augsburg sind momentan für mich die Negativ-Spitzenreiter. Auch Karlsruhe, das sich radtechnisch immer gern auf die Schulter klopft, hat vielen Blödsinn (ist aber zumindest etwas bemüht, auch wenn´s nicht immer gut wird). Das angesprochene Germersheim halte ich zwar bei weitem nicht für gut, aber doch (im Vergleich zu anderen) für weniger schlecht. Vielleicht kenne ich aber nur einen kleinen Teil der Wege.

          1. Ich meinte das allgemein, nicht auf den Radverkehr bezogen. Dazu gehört für mich auch der rechtzeitige Austausch von VZ.

        2. Ich würde eher die These vertreten, dass die Qualität der Beschilderung abnimmt, je weiter man draußen auf dem Land ist.

          Das könnte man als typische Überheblichkeit eines Großstadtbewohners bezeichen. Da stehen die Rad- den Autofahrern in Nichts nach. ;oP

          haben Großstädte doch kein Personal, dass das neben 5 anderen Sachen machen muss.

          Das hat man auf dem Land auch nicht. Hier werden haufenweise Gemeinden und Verbandsgemeinden fusioniert, man munkelt auch über eine neuerliche Kreisreform. Hier sind inzwischen Sachbearbeiter in zentralisierten Straßenverkehrsbehörden für riesige Gebiete zuständig. Und auch dort wird im Rahmen neoliberaler Personalkostenideologie auf brutale Weise „gespart“. Ich durfte die Auswirkungen in der Finanzverwaltung am eigenen Leib erfahren. Und in der „normalen“ Verwaltung sieht es da nicht besser aus.

          1. … dafür haben sie Personal, dass das nur macht. Daher lebe ich in einer der wenigen Städte, die schon vor einigen Jahren auf die Idee kamen, dass man die Benutzungspflichten prüfen müsse und damit durch waren, bevor andere Städte groß anfingen, 20 Jahre nach entsprechenden Urteilen, eine Prüfung anzukündigen um damit ihre Radverkehrsfreundlichkeit unter Beweis zu stellen.

            Die am längsten nicht mehr zulässigen Sachen habe ich in einem Schwarzwaldtal gesehen.

          2. Personal in Verbandsgemeinde-Straßenverkehrsämtern macht auch immer „nur das“. Und wär da bei dir daheim alles so rosa-rot, hättet ihr bei VeloCityRuhr glaube ich nicht viel zu tun, oder? Wenn ich da reinschaue, seh ich das gleiche (behördliche) Chaos wie im Rest der Republik. Vor allem auch großstadttypisches Chaos. In Hamburg gibt es z. B. ja nicht einmal eine Straßenverkehrsbehörde; das macht da die Polizei noch nebenbei…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

* Die Checkbox für die Zustimmung zur Speicherung ist nach DSGVO zwingend.

Ich akzeptiere