An Autobahnen erinnernde Radwege?

Der SWR meldet, dass das Land Rheinland-Pfalz in diesem Jahr 10 Millionen Euro für den Ausbau von Radwegen zur Verfügung stelle.

Bei Landesstraßen gibt es Planungen für Radwege von Kaiserslautern-Einsiedlerhof bis Kindsbach (L 50) und von Gau-Odernheim bis Biebelnheim (L 414).

Zwischen Einsiedlerhof und Kindsbach gibt es keine L 50. 🙄 Die dortige Landstraße (Teil der ehemaligen B 40) trägt die Nummer 395. Die Fahrbahn ist breit ausgebaut und übersichtlich. Nun wird also auch an diesen Abschnitt, den man als Rennradfahrer noch sicher und unkompliziert (und ohne Belehrungen aus den Blechkisten) befahren kann, ein überflüssiges, einseitiges Zweirichtungs-Wegelchen gebastelt, das man dann in beide Richtungen (also auch geisterfahrend) benutzen müssen wird. Anstatt an beiden Fahrbahnseiten einfach noch nebendran einen Meter Asphalt dranzuklatschen und 1,5 Meter breite Seitenstreifen zu markieren.

Und es wird garantiert wieder ein Wegelchen, denn der SWR zitiert das Verkehrsministerium:

Wichtig ist uns, dass die Radwege flächenschonend und nicht zu breit werden, damit sie nicht an eine Autobahn erinnern.

Wahnsinn! Man will Radwege, die aber bitteschön ja auch „nicht zu breit werden“ sollen, weil sie ansonsten eine „Autobahn“ erinnern würden. 😯 Also ich weiß ja nicht, was man da im fernen Mainzer Ministeriums-Elfenbeinturm so an „Autobahn-Radwegen“ gewöhnt ist (wenn ich die gelegentlichen Berichte von Mainzer Radlern in einigen Blogs lese, nichts Gutes…) – aber man möge mir bitte mal einen deutschen (straßenbegleitenden) „Radweg“ zeigen, bei dem man auch nur annähernd in Versuchung käme, da von einer autobahnartigen Breite zu sprechen…!? 🙄 Etwa solche Dinger wie in Gries (Beitragsbild)? In einem geb ich dem Verkehrsministerium aber Recht: straßenbegleitende Geh- und Radwege sind in der Tat völlig überflüssiger Flächenverbrauch.

Dass dem ADFC der Wegelchen-Bau nicht weit genug geht, passt ins Bild, aber von diesem Verein erwarte ich auch nix anderes (mehr). So war es auch Frau Tsudome, die mir in Sachen B-10-Winterdienst mit ihrer unbedachten Äußerung in den Rücken fiel, bis heute hab ich von der Dame nix diesbezüglich gehört. Aber Touris fahren im Winter ja kaum Rad, wozu sich dann in der Sache engagieren oder wenigstens die unterstützen, die das tun…!?

Das vom SWR verwendete Foto zeigt übrigens wunderbar, für wen solche Radwege in erster Linie angelegt werden: touristische Freizeitradler. Damit man beim Ausflug schön bequem, langsam nebeinanderfahren und quatschen kann, ohne den echten Verkehr zu behindern.

Toll, gönn ich den Leuten, auf eigenständigen Wegen können sie so rumfahren, wie sie wollen. Ich mag es aber gar nicht, wenn man mir deshalb an immer mehr Stellen willkürlich per Zeichen 240 StVO die Benutzung der (sicheren) Fahrbahn verbietet und mich zwischen den (wenn es geht noch per Elektromotor gedopten) Ausflüglern (da fehlen auf dem Foto noch die Spaziergänger mit Hunden und Wanderer) Slalom fahren lässt.

Das führt unweigerlich zu Unfällen. Ohne einen Solchen (vor 3 Jahren) würde es diesen Blog hier nicht geben.

10 Gedanken zu „An Autobahnen erinnernde Radwege?“

  1. Das Problem ist, dass Unfälle auf Landstraßen, wenn sie denn wie aktuell* passieren, meist sehr übel außgehen und davor haben die Leute nun mal Angst. Wenn man will, dass nicht nur mutige Radfahrer außerorts unterwegs sind, dann wird man um Radwege nicht drum herumkommen, wobei ich da was anderes meine als was man zu Gesicht bekommt.

    * Das der ADFC Bundesverband wieder mal Quatsch erzählt. Nicht die Zahl der Radfahrer*innen ist entscheiden, sondern das Risiko.

    Hmm, dass man keine Radschnellwege will. Die nennen der WDR und die Politik doch gerne Radautobahn.

    1. Das Problem ist, dass Unfälle auf Landstraßen, wenn sie denn wie aktuell* passieren, meist sehr übel ausgehen und davor haben die Leute nun mal Angst.

      Unfälle dieser Art passieren aber eben nun einmal sehr selten; das muss man unter allgemeinem Lebensrisiko verbuchen; ansonsten dürfte man gar nicht mehr das Haus verlassen! „Absolute Sicherheit“ birgt doch auch ein schmales Grünstreifchen nicht, wenn der >80-Jährige grade einen Schwächeanfall hat und im falschen Moment das Lenkrad verreißt (gab es doch schon oft genug). Dagegen enden ja grade auch Unfälle auf Radwegen nicht selten tödlich (hatte ja grade erst im anderen Beitrag eine tödliche Kollision zweier Radfahrer auf einem dieser Wegelchen verlinkt). Das hält aber komischerweise niemanden davon ab, ständig immer weitere von denen zu fordern…! Auch der ältere Herr, der sich damals bei unserem Beinahe-Zusammenstoß die Hüfte verletzte, fühlte sich auf dem Radweg „sicher“.

      Wenn man will, dass nicht nur mutige Radfahrer außerorts unterwegs sind, dann wird man um Radwege nicht drum herumkommen, wobei ich da was anderes meine als was man zu Gesicht bekommt.

      Ich halte mich ja lustigerweise nicht einmal für „mutig“; im Gegenteil bin ich in meinem ganzen Leben als ruhiger und zurückhaltender Mensch von den anderen auch nie als besonders selbstbewusst wahrgenommen worden. Ich will mit dem Rad von A nach B, hab kein Auto – also mach ich das einfach; weil ich es kann. Und lass mich da auch nicht von ein paar motorisierten Idioten verdrängen.

      Wie ich schrieb: ordentliche, eigenständige Wege – von mir aus. Aber nix, was notdürftig an Straßen geschustert wird, um primär dem „Kraftfahrer freie und sichere Bahn“ zu bescheren: Nein, Danke!

      Hmm, dass man keine Radschnellwege will. Die nennen der WDR und die Politik doch gerne Radautobahn.

      Unter Radschnellweg kann ich mir hier auch immer noch nix so wirklich vorstellen; ich kenn das nur in Form von Bahntrassenwegen. Echte, „an Autobahnen erinnernde Radwege“ will man in RLP ja offenbar nicht; dabei wär das doch in der Tat supi; eigenständige, breite, kreuzungsfreie Pisten – mit linker Spur für die schnelleren Radfahrer! 😎

  2. Welche Mainzer Blogs überhaupt?

    wenn sie denn = Unfälle dieser Art passieren aber eben nun einmal sehr selten

    Ich habe nichts dazu gesagt, wie sich das Risiko zu anderen verhält. Ich sagte nur, dass die Leute vor einer realen Gefahr Angst haben.

    1. Welche Mainzer Blogs überhaupt?

      Keine Blogger, Kommentatoren. 😉

      Ich sagte nur, dass die Leute vor einer realen Gefahr Angst haben.

      Angst ist aber meist ein schlechter Ratgeber, weil in aller Regel irrational. Die Leute lassen sich ja auch aus Angst vor dem „Terror“ Freiheitsrechte wie am Fließband nehmen und totalüberwachen. Obwohl dann wiederum die Verkehrstoten nur mit einem Schulterzucken als Kollateralschäden einer automobilen Gesellschaft abgetan werden. Der Zweck heiligt eben nicht stets die Mittel. Man kann Unfälle sowieso nicht vollständig vermeiden, ein Restrisiko (Ausfall der Technik oder menschl. Versagen) bleibt immer. Und auf einer Landstraße von hinten überfahren zu werden, ist ein Solches! Der Aufwand totaler Separation ist ungerechtfertigt, weil er ja zu anderen Gefahren (Kollisionen und Querungen) führt. Zumal eben dann immer noch ein verwirrter oder kreislaufschwächelnder Rentner über den Grünstreifen in die Radfahrergruppe rasen kann. Der erwähnte Unfall spräche eher dafür, Leuten ab einem gewissen Alter bei gesundheitlichen Einschränkungen den Lappen zu entziehen, um das Risiko solcher Unfälle zu minimieren. In meinem persönlichen Umfeld gab es einige Alte (die z. B. auch ganz selbstverständlich vor dem Fahren Alk tranken), bei denen ich mich wunderte, dass nie was passiert ist.

        1. Och nöööö, bitte jetzt nicht divide et impera in der Variante Alt-gegen-Jung anfangen. 🙄 Mag sein, dass einige der jüngeren den Lappen zu früh oder überhaupt kriegen; ich wär generell für die Anhebung der Anforderungen. Was aber nicht passieren wird, da „die Wirtschaft“ eben mobiles Humankapital und Kfz-Konsumenten benötigt.

          Das täuscht auch nicht drüber hinweg, dass auch die Gruppe der besonders alten (Autofahrer) nicht selten in schwere und tödliche Unfälle verwickelt ist. Wie eben auch im von dir beschriebenen Fall. Es ist ja sogar so, dass der Großteil (60 %) der getöteten Radfahrer über 60 Jahre alt ist… Mobilität im Alter ist in jeder Hinsicht gefährlich. Es macht aber halt schon einen Unterschied, ob man mit einem 1,5 Tonnen schweren Geschoss (oder allein auf dem Rad) unterwegs ist…

    1. Ich glaube, dass das es sogar wichtiger wäre, den Radfahrern erst einmal zu verklickern, dass sie selbst keine „Hindernisse“, sondern eben Verkehrsteilnehmer sind. Das ist aber wohl ein sinnloses Unterfangen.

      Ich glaube nämlich, dass das Gehwegradeln auch deshalb so weit verbreitet ist, weil man nicht einmal unbedingt so große Angst vor den Autos hat – sondern man halt den „echten Verkehr“ nicht aufhalten will. Das betrifft meiner Ansicht nach den überwiegenden Teil der „Auch-Radfahrer“ (klassische ADFC-Touren-Klientel), die im Alltag quasi ausschließlich mit dem Auto unterwegs sind und das Rad nur als Freizeitspaß betrachten. Deshalb wünschen sie sich selber, dass (alle) Radfahrer möglichst nicht vor ihrem Auto auf der Fahrbahn rumfahren. Man wird ja hin und wieder auch mal von Autos oder Wohnmobilen eng- oder riskant überholt, die auf dem Dach oder am Heck Räder transportieren… 🙄

      1. Wenn man das Radfaher*innen verklickert, verklickert man da auch Autofahrer*innen und umgekehrt. Wie du das schon andeutest, betrachten die Menschen das vermutlich sehr stringend und verhalten sich auf dem Rad so, wie sie es sich als Autosicht wünschen. Und genau deswegen kommen sie zur Ansicht, dass das nichts für den Alltag ist, weil man ja merkt, wie kacke es im Endeffekt ist, über Schrottwege zu schleichen. Dann kommt noch hinzu, dass das Wissen um Kettenpflege und Luftpumpe im Zusammenhang mit Kraftaufwand genauso unbekannt ist, wie die Tatsache, dass man Räder nicht kärchert.

        1. Wie du das schon andeutest, betrachten die Menschen das vermutlich sehr stringend und verhalten sich auf dem Rad so, wie sie es sich als Autosicht wünschen.

          Ich hatte ja 15 Jahre lang selber ein Auto – aber ich sah mich immer primär als Radler (der hin und wieder Auto fährt) – und nie umgekehrt. Und das lag nicht nur an der gefahrenen Strecke (da lag immer das Rad vorne), sondern an der „Einstellung“.

          Und genau deswegen kommen sie zur Ansicht, dass das nichts für den Alltag ist, weil man ja merkt, wie kacke es im Endeffekt ist, über Schrottwege zu schleichen.

          Hier in der Südwestpfalz ist der Hauptgrund meine ich einfach Faulheit und körperliche Degeneration durch Bewegungsmangel. Radwege gibt es hier ja nur sehr wenige – wer nicht Radfahren muss (weil ihm die Kohle für ein Auto oder wenigstens ein Roller fehlt), macht das einfach nicht. Als Ausrede kommen einem die paar Höhenmeter dann auch ganz recht. Die meisten, mit denen ich wenigstens mal ein paar km gefahren bin, pfiffen schon nach der ersten Bodenwelle auf dem letzten Loch oder berichteten nach einer lockeren 20-km-Tour von tagelangen Muskelkrämpfen und höllisch schmerzendem Hinterteil… 😈

          Dann kommt noch hinzu, dass das Wissen um Kettenpflege und Luftpumpe im Zusammenhang mit Kraftaufwand genauso unbekannt ist, wie die Tatsache, dass man Räder nicht kärchert.

          :mrgreen: Dafür gibt es ja dann Personal. 😉 Es ist immer wieder erstaunlich, mit was für Sachen die Leute zum Fahrradmechaniker (oder mir) kommen (das ganze Fahrrad wird dann natürlich im Kofferraum dahin transportiert). Einen Reifen oder Schlauch sollte selbst der gröbste Noob noch selber gewechselt kriegen. Aber: Da wären wir wieder bei der Bequemlichkeit: heutzutage darf ja eben nix mehr anstrengen, Arbeit machen oder unangenehm sein. Gestern hab ich bspw. knapp 2 Stunden lang die Kassette meines Rennrads und den Freilauf gereinigt.

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