Heatmap: Fahrbahn oder Radweg?

Wegweiser StVO

In meinem ersten Beitrag zur Strava Global Heatmap habe ich mich dem Radverkehr im Stadtgebiet gewidmet. Aufgrund der Tatsache, dass hier offensichtlich hauptsächlich Sportler die Daten geliefert haben, kann man ja auch mal ein wenig analysieren, wie es im Umland so aussieht. Wegen der leichten Ungenauigkeiten der GPS-Daten kann man bei direkt straßenbegleitenden Radwegen wegen der Unschärfe nicht unbedingt Rückschlüsse daraus ziehen, ob grade Rennradfahrer eher / lieber auf Radwegen oder der Fahrbahn unterwegs sind. Das geht nur an Wegen, die etwas abgesetzt von der Fahrbahn liegen (weshalb jene dann nicht mehr benutzungspflichtig sind). Da es im Kreis Südwestpfalz sogar mehr eigenständige (meist auf parallelen Forstwegen) als straßenbegleitende Radwege gibt, ist es durchaus lohnenswert, die Unterschiede aufzuzeigen.

Ich bitte um Verzeihung, wenn ich wegen urheberrechtlicher Unwägbarkeiten nur Links setze, anstatt bspw. Screenshots zu verwenden.

Straßenbegleitend?

Beginnen wir mit den Straßenbegleitenden – die das gleichzeitig dann aber wegen größerer räumlicher Abstände zur Fahrbahn dann doch wieder nicht so wirklich sind. 😉 Besonders geärgert hatte ich mich ja damals bei meiner 1. Verkehrsschau über den deutlich abgesetzten Geh- und Radweg zwischen Steinalben, Horbach und Linden – aufgrund der überflüssigen Blau-Beschilderung.

Zwischen Steinalben und Horbach (OSM) teilt sich der Radverkehr in unterschiedlichste Richtungen auf; ein Teil nutzt die relativ flache Passage im Tal, ein anderer scheut auch die Mühen und Höhenmeter über die L 363 nicht. Der Weg an der Moosalb entlang Richtung Geiselberger Mühle wird dagegen nicht so stark frequentiert. Auch genutzt wird der eigentlich nicht für Radverkehr freigegebene (aber teils HBR-beschilderte) Gehweg an der Südseite der K 31. Man sieht aber insgesamt: Es ist für Radfahrer ganz normal, trotz mehrerer Auswahlmöglichkeiten auch die Fahrbahn zu benutzen!

Zwischen Horbach und Linden (OSM) ist die Fahrbahnnutzung sogar trotz vermeintlichen Fahrbahnverbots der Normalfall! Der leicht abgesetzte Weg östlich der Fahrbahn wird deutlich weniger frequentiert. Obwohl dort so viele Radfahrer auf der Fahrbahn fahren passiert nix – und die Autofahrer verkraften es offenbar auch irgendwie.

Am deutlich abgesetzten, aber mit Zeichen 240 StVO beschilderten Forstweg zwischen Linden und Queidersbach (OSM) wird ebenfalls die Fahrbahn dem Sonderweg in der Summe vorgezogen.

Schauen wir auch mal nach Contwig (OSM) – dort verlässt ebenfalls ein mit Zeichen 240 StVO beschilderter Weg die L 471 um deutlich mehr als 5 Meter. Auch hier fahren die Strava-Radfahrer deutlich lieber auf der Fahrbahn, als auf dem (oft verdreckten und schlecht asphaltierten) Sonderweg. Der zudem am Ende noch in eine Niederauerbacher Nebenstraße führt.

In umständliches Ding (OSM) ist auf jeden Fall der Sonderweg zwischen Thaleischweiler-Fröschen und der Biebermühle. Erst wird man per Zeichen 240 StVO in ein Gewerbegebiet – und auch wieder aus diesem hinausgeführt. Man darf dann einen weiten Bogen fahren, um unter der Zubringerbrücke der A-62-Auffahrt durchzuradeln. Auch hier pfeifen viele unerschrockene Radfahrer auf den (zudem schmalen und hügeligen) Umweg – und bleiben in beiden Richtungen auf der Fahrbahn.

Auch nicht wirklich straßenbegleitend ist der teilweise mit Zeichen 240 StVO beschilderte Geh- und Radweg auf der etwas abgesetzten Trasse der ehemaligen Wasgenwaldbahn zwischen Bundenthal und Rumbach (OSM), bis zur „Wasserscheide“. Es ist auch hier die Fahrbahn der L 478, die überwiegend von Radfahrern genutzt wird.

Zukünftig könnte ja noch ein weiterer straßenbegleitender Geh- und Radweg an der K 36 (OSM) von der Umgehung Ruppertsweiler bis zum Ständehof entstehen. Doch einmal mehr sei gefragt: warum überhaupt…? Alle meine in diesem Beitrag genannten Varianten werden bereits genutzt, auch der südlich der Rodalb gelegene Forstweg. Die ängstlicheren Radfahrer nutzen offenbar schon heute intensiv die Ortsdurchfahrt – als auch mit dem Geländerad die möglichen Alternativen durch den Wald zum Ständehof. Warum es also jenen, die die K 36 gerne befahren, unbedingt schwerer machen?

Am fürchterlichen B-10-Gekreisel in Hinterweidenthal wird der direkte Weg auch von vielen Radfahrern sehr geschätzt – und genutzt. 😎 Interessant sind die aufgrund der dort schon fertiggestellten Kraftfahrstraße nicht mehr mit dem Rad befahrbaren ehemaligen Routen des Radverkehrs.

Ein anderer chaotischer Kreisel am Zweibrücker Outlet (Google Maps) wird ebenfalls gerne auch von Radfahrern auf die „normale“ Art und Weise genutzt. Es bleibt einem ja keine wirklich andere Wahl – auch wenn das Blau einem in die Irre führen will.

Und auch auf meiner Hausstrecke in die Stadt nutzt die Mehrheit zwischen Gersbach und Winzeln (OSM) die Fahrbahn – trotz „kreativer“ Um-die-Ecke-Blaubeschilderung.

Forst-Radweg oder Straße?

Selbst qualitativ gute eigenständige Wege (die topographisch bedingt hier in der Region in der Regel auf der jeweils anderen Talseite liegen) halten viele Radfahrer nicht von der Benutzung der parallelen Straße ab.

So z. B. auch am 2+1-Abschnitt der B 270 zwischen Biebermühle und Burgalben. Der auf der Nordseite des Schwarzbachtals (OSM) verlaufende Weg wird gut angenommen – aber auch auf der recht stark befahrenen B 270 sind nicht grade wenige Radfahrer unterwegs. Zumindest in Richtung Burgalben gibt es ja auch einen nützlichen Seitenstreifen.

Interessanterweise wird die Umgehung Waldfischbach-Burgalben wie die gesamte B 270 in Richtung Norden dann insgesamt recht wenig frequentiert. Der Abschnitt des noch nicht einmal vollständig straßenverkehrsrechtlich freigegebenen Moosalb-Radweges (OSM) zwischen Waldfischbach und Steinalben wird der Fahrbahn eindeutig vorgezogen. Landschaftlich ist dieser wegen des Verlaufs unter den Bahnviadukten und durch romantischen Tannenwald an der Moosalb entlang auch wirklich sehr reizvoll. Nachteil: Er ist so gut wie immer dreckig (Laub und Nadeln) – und wegen der Lage im Wald sehr lange nass und feucht. Das gilt auch für die glitschige Holzbrücke bei Steinalben.

Zwischen der Geiselberger Mühle und Schopp (OSM) hält es sich etwa die Waage – beide Varianten werden nicht ganz so intensiv genutzt.

An der L 499 (OSM) zwischen Heltersberg und Johanniskreuz wurde vor Jahren ein weitgehend paralleler, hin und wieder auch mal etwas abgesetzter (und übrigens ebenfalls noch nicht straßenverkehrsrechtlich für Radfahrer freigegebener…) Weg gebaut. Auch hier (an einer schwach befahrenen Landstraße in den Untiefen des Pfälzerwaldes) wird das Angebot mal angenommen – und mal nicht.

Auch der längste und beliebteste Radweg in der Südwestpfalz im Wieslautertal (OSM; bei Interesse ranzoomen) zwischen Hinterweidenthal und Wissembourg hält sehr viele Radfahrer nicht davon ab, trotzdem die parallele B 427 und die dem Fluss folgenden Landstraßen zu benutzen.

Zwischen Niederschlettenbach (im Wieslautertal) und Erlenbach am Berwartstein hat der Radverkehr die Wahl, ob er die L 490 (OSM) auf der westlichen Talseite nimmt – oder die östliche Variante über einen asphaltierten Forstweg. Die Landstraße ist beliebter.

Auch in den Tälern der Sickinger Höhe hat man hin und wieder die Wahl, so auch an der K 20 (OSM) zwischen Wallhalben und Hettenhausen. Zumindest auf der Wallhalbener Hälfte – südwestlich von Hettenhausen verläuft der Weg dann straßenbegleitend (natürlich zu schmal und gegenläufig).

Fazit

Es gäbe noch viele weitere Stellen, die man beim Durchstöbern der Karte in Straßennähe nennen und vergleichen könnte.

Auch an den weiteren bedeutsameren Tal-Radwegen (im Schwarzbach- und Rodalbtal) ist die Nutzung auf hohem Niveau ausgeglichen. Die einen nutzen die Fahrbahnen, die anderen die abgesetzten Radwege, je nach Typ, Lust und Laune. Das Fahrbahnfahren ist in der Südwestpfalz für viele Radfahrer die absolute Normalität – und sollte es daher auch bitteschön bleiben!

Es gibt viele Regionen, die grade außerorts eine meines Erachtens völlig verfehlte Verkehrspolitik betreiben: Das Verdrängen der Radfahrer von der Fahrbahn – auf schmale Wege daneben. Ich halte das für völlig falsch; die Tatsache, dass Radfahrer auf den Fahrbahnen der Region hier der Normalfall und alles andere als ungewöhnlich sind, spiegelt sich auch im Verkehrsklima wieder: Es gibt hier nicht derart viele teils bösartige Zwischenfälle wie in anderen Gegenden, die über ein wesentlich dichteres Netz an straßenbegleitenden Radwegen verfügen. Der Autofahrer ist es einfach gewohnt; er hat letztlich auch kein besonders exklusives „Revier“, welches er gegen „illegale“ Eindringlinge zu verteidigen hätte.

Von Einzelnen, die Regel bestätigenden Ausnahmen abgesehen, sind Westpfalz und Pfälzerwald für Radfahrer wahrscheinlich von den übrigen Verkehrsteilnehmern her mit eine der ruhigsten, schönsten und ungefährlichsten Gegenden Deutschlands! 🙂 Auch, weil man dem Radfahrer hier größtenteils immer die Wahl lässt, wo er fahren will. Wirklich problematisch wird es nur dann, wenn wie z. B. an der für Radfahrer gesperrten B 10 kein Winterdienst geleistet wird – und man somit grade keine Wahl (mehr) hat, statt des alternativen Wegs die Fahrbahn zu benutzen. 😡

Ganz nach dem schon etwas abgenudelten Spruch: „Gute Radwege brauchen keine Benutzungspflicht!“

3 Gedanken zu „Heatmap: Fahrbahn oder Radweg?“

  1. Solange ein (auf das nötige beschränkte) Bildzitat für die Argumentation notwendig ist, sollte das rechtlich kein Problem sein. So lernte ich es von einer Fachanwältin in einem entsprechenden Seminar. 100 % Sicherheit bietet aber nur der Link.

    Interessante Analyse.

    Welche Bedeutung haben freilaufende Hunde bei euch? Zu den Gassi-Geh-Zeiten meide ich im Ruhrgebiet alles, was eigenständig geführt ist, da zu viele nicht erzogene Hunde und ihre entsprechend unfähigen Halter*innen unterwegs sind (auch wenn es wohl die Minderheit ist) und man andauernd um Hunde, Leinen und Halter*innen rumkurven muss. Oder ist das bei euch kein relevantes Problem, dass auch eine Erklärung sein könnte? Immerhin fallen ja Feierabendrunden und Gassi-Runden in die gleiche Zeitschiene.

    Ich fahre FR und SA Abend ungern auf Hauptstraßen auf der Fahrbahn, da dann Alkohol etc. negative Verhaltensweisen verstärken und die Raserszene ihre Rennen fährt. Aber das sind vermutlich nicht die Zeiten, in denen Sportradler unterwegs sind.

    Insgesamt dürfte der Verkehr bei euch auch häufig nicht so dicht sein, was die Anzahl an potenziellen Konfliktfällen reduziert und da Rennradfahrer vermutlich eher am WE und Abends unterwegs sind, sind es da noch weniger Fälle.

    1. Ich fotografiere ja selber mit etwas „gehobeneren“ Ansprüchen und bin daher in dieser Frage schon aus eigenem Interesse etwas sensibilisiert. Ich hätte z. B. auch gerne wegen des geplanten Kreisels in Ixheim einen Ausschnitt aus dem Lageplan als Titelbild verwendet. Der LBM hat mir auf meine Frage, ob man mir die Nutzung freistellt, bis heute nicht geantwortet; nur, dass das Werk grds. urheberrechtlich geschützt sei. Na, dann lass ich es halt.

      Freilaufende Hunde bin ich als MTB’er natürlich gewohnt. Grade auf eigenständigen Radwegen trifft man sie hin und wieder dann auch mal. Aber auch mancher Blauweg liegt an typischen Gassigeh-Routen; da sind sie dann zwar meist angeleint – aber dir trotzdem im Weg. Und bis Herr- oder Frauchen dann mal reagiert haben… 🙄

      Wochenend-Ausgehverkehr ist mir bislang nicht sonderlich negativ aufgefallen; im Gegensatz zur alltäglichen klassischen Feierabendzeit. Im Pfälzerwald selbst kann man von „Verkehrsdichte“ kaum noch sprechen :mrgreen: – da kann es sein, dass dir auch mal 5 oder 10 Minuten kein einziges Auto begegnet. Siehe auch den StVO-Wegweiser – 14 oder 23 km ohne (größere) Ortsdurchfahrten sind in einem dicht besiedelten Land wie D allgemein ziemlich selten.

      Grade im Sommer ist der Verkehr auf den Straßen im Pfälzerwald hingegen oftmals wegen der Touristen und Ausflügler sogar etwas dichter als unter der Woche. Da sich einige Motorradfahrer immer wieder mal ziemlich daneben benommen haben, wurde für jene z. B. das Elmsteiner Tal an Wochenenden gesperrt. In der Summe aber ist der Verkehr immer noch weit unterdurchschnittlich. In der Westpfalz ist insgesamt etwas mehr Verkehr – aber auch der ist natürlich nicht mit einer Gegend wie dem Ruhrgebiet zu vergleichen.

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