Blauer Blödsinn im Bliesgau

L 105

Nach längerer Zeit möchte ich mal wieder (kurz) einen bescheuerten benutzungspflichtigen Geh- und Radweg an einer Landstraße dokumentieren. Jener befindet sich im saarländischen Bliestal, an der L 105 zwischen Breitfurt und Mimbach. Großartig genutzt wird er vom Radverkehr zwar wegen des parallelen Glan-Blies-Weges nicht – trotzdem muss so ein Blödsinn meiner Ansicht nach einfach nicht sein! Für Rennradfahrer ist der Abschnitt durchaus auch von Nutzen, wenn man eine Schleife über die vor Mimbach nach Südsüdost abzweigende L 103 (Richtung Böckweiler) drehen will, ohne über den Bahntrassenweg bis ganz nach Blieskastel hinaufzufahren.

Die Bauweise ist ein wenig typisch für das Saarland – denn nur dort begegnet mir diese besonders eigenwillige Art von Radverkehrsführung. Ich schätze die Saarländer an sich ja dafür, insgesamt etwas eigenwillig zu sein. Aber bitte nicht darin, miserable Radwege noch mieser zu gestalten, als es im Rest der Republik schon üblich ist! In der Regel gibt es dort nicht einmal einen Grünstreifen; stattdessen grenzt meist nur ein Breitstrich den meist auch noch in beide Richtungen per Zeichen 240 StVO benutzungspflichtigen Geh- und Radweg von der Fahrbahn ab. Die Leitpfosten stehen zudem dann (grade in Gegenrichtung) auch noch im Weg. Was aufgrund mangelhafter Wegbreiten und Rad- oder Fuß-Gegenverkehr dann auch in Slalom-Fahren ausarten kann. 🙄

Etwas besonders ist dann auch jener Weg an der L 105. Hier war wohl wie so oft das Motto: Hauptsache runter mit dem Radfahrer von der Fahrbahn! 👿 Nun darf muss er auf einem teilweise sehr engen, mittels zur Fahrbahn hin abgerundeter Bordsteine (statt Breitstrich) wenige Zentimeter über Fahrbahnniveau gelegenen Sonderweg auf der östlichen Fahrbahnseite fahren. In beide Richtungen – natürlich! 😈

Etwa 650 Meter südlich des Abzweigs der L 103 sieht das dann (mit Blick in nördlicher Richtung) so aus:

L 105

Der Weg wechselt dort von der östlichen auf die westliche Seite. Ohne Querungshilfe. Wer rechts ab zur L 103 will, darf dann halt 350 Meter weiter gleich wieder zwei Fahrbahnen queren und noch den Verkehr beachten, der aus jener Straße kommt oder dort hinein will. 🙄 Wer von der L 103 kommt oder weiter Richtung Mimbach will, hat nochmal 350 Meter auf der linken Seite zurückzulegen.

Der Weg dürfte hier (und auch allgemein) keine oder nur knapp zwei Meter breit sein. Ziehen wir noch ein paar Zentimeter für die Leitpfosten ab, bleibt nicht mehr viel in Sachen Mindestbreite 2 Meter, die die VwV für Wege außerorts fordert! Die Stützmauer rechts engt den Weg nochmal zusätzlich ein. Das ist auch im kurvigeren Abschnitt etwas weiter südlich der Fall, dort ragt nochmal ein Felsvorsprung in den Weg hinein. Für einen Parkplatz rechts hat man dagegen den halben Berg abgetragen:

L 105

Im Detail:

L 105

Wahnsinn! Wie da zwei Radfahrer gefahrlos aneinander vorbeifahren sollen…!?

Besonders wahnwitzig ist ja die Tatsache, dass man als in Richtung Süden fahrender Radler auf diesem schmalen (linken) Wegelchen (grade bei Gegenverkehr per Rad oder zu Fuß) grundsätzlich rechts fahren muss, also so ziemlich an der Innenkante des abgerundeten Bordsteins zur Gegenfahrbahn – mit gelegentlichen Leitpfosten im Weg! Die ganze Zeit brausen dann Autos im Zentimeterabstand frontal rechts an einem vorbei. Das macht vielleicht Spaß – und ist natürlich immer noch um Welten sicherer, als einfach dem Rechtsfahrgebot entsprechend auf der Fahrbahn zu fahren… 🙄

Gesäubert wird der Weg nie oder nur sehr selten. Trinkfreudige machen sich auch einen gewaltigen Spaß daraus, dort ständig Bierflaschen aus dem Auto auf diesen Weg zu schmeißen – weshalb er einem einzigen Scherbenteppich gleicht.

Liebes Straßenverkehrsamt des Saarpfalz-Kreises – das Ding gehört entschildert! Komplett, in beide Richtungen von Breitfurt bis Mimbach!

4 Gedanken zu „Blauer Blödsinn im Bliesgau“

  1. Straßenverkehrsbehörden sind doch meist sehr ängstlich um wollen kein Risiko eingehen und die Radfahrer*innen vor allerlei Gefahren schützen. Aber warum um alles in der Welt ist diese in den Weg ragende Stützmauer im letzten Bild nicht durch Warnbarken abgesichert? Die ist ja schon im Hellen kaum zu sehen?

    Und was macht da der blaue Lolli im Gebüsch auf der anderen Straßenseite?

    1. Straßenverkehrsbehörden sind doch meist sehr ängstlich um wollen kein Risiko eingehen und die Radfahrer*innen vor allerlei Gefahren schützen.

      Das halte ich jetzt aber für ein Gerücht! :mrgreen: Die letzte Verkehrsschau dort dürfte wohl auch noch im vergangenen Jahrtausend gewesen sein.

      Da fährt doch eh keiner mit dem Rad. Und schon gar nicht im Dunkeln! 😉 Und wenn, sieht er eh nix, weil er vom Gegenverkehr geblendet wird! 😎

      Der blaue Lolli „im Gebüsch“ ist derselbe wie auf dem 1. Foto! 😉

    1. Man sollte sie da beim Wort nehmen.

      Die glauben das insgeheim doch oft selber nicht, dass das „sicherer“ sei, was da so hin und wieder neben die Fahrbahnen gepflanzt wird oder irgendwann mal wurde. 😉

      Genau; die auf dem 1. Foto gezeigte Stelle liegt weiter nördlich als die Engstelle unten. Stimmt, ich hätte das (die Reihenfolge betreffend) vielleicht anders gliedern sollen. Bin von der L 103 gekommen auch und nur für die Fotos ein Stück weit in diese Richtung gefahren.

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